Den gesamten folgenden Hintergrundtext zum Konzept können Sie auch hier herunterladen:


1. Einleitung: Warum Facebook in der Hochschullehre?


Facebook bietet durch seine vernetzte Struktur, den jederzeit freien Zugang und die bereits fertig zur Verfügung stehende Webumgebung eine potenzielle Lernplattform, mit deren Hilfe klassische Lehr-Lernkonzepte zu Blended Learning-Angeboten umstrukturiert werden können, die vernetztes Lernen fördern – unkompliziert und zukunftweisend.

Das 2004 gegründete und seit 2008 immer schneller wachsende (Facebookmarketing, Stand: 18.06.2010) Internetportal Facebook gehört zu der Familie der Social Networks. Diese Art von Plattform ermöglicht dem Nutzer, Mitglied eines virtuellen Netzwerkes zu sein, in dem er sich mit einer breiten Masse von anderen Nutzern verbinden kann. Das weltweit größte Network Facebook beherbergt momentan 400 Millionen aktive User (eigene Angaben, Stand 13.05.2010), deutschlandweit immerhin noch 9 Millionen (Facebookmarketing, Stand 13.05.2010). Die Pageviews pro User liegen derzeit mit durchschnittlich 15/Tag (Alexa, Stand 13.05.2010) knapp über denen von Google.

Natürlich ist auch Facebook keine reine Erfolgsgeschichte – gerade in Deutschland geriet die Plattform immer wieder wegen von Datenschützern argwöhnisch betrachteter Maßnahmen in die Kritik. Warum eignet sich nun gerade der viel kritisierte kommerzielle Anbieter Facebook für die Hochschullehre, wo doch Netzwerke, wie beispielsweise Mixxt gerade für den akademischen Bereich konzipiert wurden? Facebook bietet zunächst eine freie Alternative zu traditionellen Lernszenarien. Das klassische Rollenverständnis vom Lehrenden auf der einen und den Lernenden auf der anderen Seite kann bis zu einem gewissen Grad aufgebrochen werden. Aspekte der Kollaboration und Kooperation können dadurch gefördert werden. Facebook ist darüber hinaus eine bekannte Plattform, auf der sich auch Lernende und Lehrende, die mit Web 2.0 Lernen bisher noch nicht in Kontakt gekommen sind, bewegen. Soziale Netzwerke – allen voran Facebook – gewinnen immer mehr an Bedeutung im Alltag, die Nutzeroberfläche ist den Usern bereits vertraut und die Nutzung gehört bisweilen zur täglichen Routine. Unter diesem Aspekt könnte so auch weniger technikaffinen Menschen der Weg zu Blended Learning geebnet werden. Facebook unterstützt zudem nicht-hierarchische Strukturen. Beziehungen aus der Offline-Welt fließen in soziale Netzwerke ein und erlauben den Lernenden sich gegenseitig ohne das Zutun des Lehrenden zu unterstützen – Peer-to-Peer-Lernen wird gefördert. Auch sind die Wege zu Wissenschaftlern, Lehrenden etc. aufgrund der engmaschigen Vernetzung kürzer. Ein weiterer Vorteil ist zudem das breite Angebot an Anwendungen und Werkzeugen, mit dem Facebook ausgestattet ist. Diese Bandbreite bietet dem Lernenden die Möglichkeit auf seine persönlichen Bedürfnisse einzugehen, individualisiertes Lernen und die damit verbundenen Lernerfolge werden unterstützt. Steht beispielsweise die gemeinsame Arbeit an einem Dokument im Vordergrund, kann dies mit der Anwendung Docs verwirklicht werden. Sollen Beiträge möglichst aktuell sein, lassen sich unkompliziert Links zu Interessantem setzen. Ist für den Lernenden die Diskussion über diverse Themen besonders förderlich, so bietet sich das Diskussionsforum an. Egal ob synchron, oder asynchron, gemeinsam oder alleine, mobil oder ortsgebunden – das Social Network bedient vielerlei (vergleiche hierzu http://socialnetworksforlearning.com/).

Was in der Theorie noch recht unkonkret klingt, könnte in der Praxis so aussehen:
Johanna, eine Politikstudentin im vierten Semester hat sich ihren Wecker wie üblich auf 9 Uhr gestellt. Wie jeden Morgen macht sie sich zunächst einen Kaffee und loggt sich in Facebook ein. Da sie im vergangenen Semester in Nizza studiert hat, ist sie es gewohnt über Facebook mit Freunden auch im Ausland Kontakt zu halten. Auch Kollegen aus ihrem Nebenjob melden sich nicht selten über die Plattform bei ihr. Kaffee schlürfend klickt sie sich kurz durch das neue Fotoalbum eines Bekannten, dann liest sie die neusten Posts und persönliche Nachrichten. Eine Nachricht besagt: Marlene Michels wants to share a document. Die Referatsgruppe aus ihrem Seminar zum Thema Umweltpolitik hat also die Hausarbeit eingestellt. Sie öffnet den Link, liest die Arbeit und kommentiert, was ihr positiv und negativ auffällt. Nun sieht sie sich noch einmal in der Gruppe um: Seminar Umweltpolitik Uni Augsburg. Torben und Klaus haben bereits einige interessante Links zum Thema der nächsten Sitzung in einer Woche gepostet. Zu Torbens Kommentar hat sie selbst noch einiges zuzufügen. Johanna ist für heute fertig. Mal sehen, wie sich die Diskussion noch bis zur kommenden Woche entwickelt. Sie ist gespannt auf das Referat und morgen wird sie sich erneut bei ihrem Kaffee in Facebook einloggen.

Im Rahmen dieser Vorüberlegungen entstand die Idee eine Anleitung zu erstellen, wie Lehrende Facebook zur Unterstützung einer Präsenzveranstaltung einsetzen können. Zu betonen ist dabei, dass das Konzept vorsieht, eine Präsenzveranstaltung in eine Facebook integrierende Blended Learning-Veranstaltung umzuwandeln. Ziel ist es, Bestehendes neu nutzbar zu machen und so potentielle Hemmschwellen in der Verwendung von Web 2.0-Konzepten zu reduzieren. Die Kernfrage ist hierbei: Wie kann ich Facebook in einer Blended Learning-Veranstaltung sinnvoll nutzen, ohne etwas vollkommen Neues entwickeln zu müssen? Wie genau eine solche umgewandelte Veranstaltung aussehen könnte und welche Anwendungen sich zur Verwendung anbieten, haben wir auf dieser Wiki-Seite ausgearbeitet.


2. Theoriegestützte Einführung zu Social Networks for Learning und dem Facebook-Konzept


Wie einführend erwähnt, sprechen der freie Zugang zur Plattform und der geringe Grad an notwendiger Technikaffinität bereits grundsätzlich dafür, Facebook in der Hochschullehre einmal auszutesten. Individuell anzupassende Werkzeuge sowie nicht-hierarchische Strukturen sind weitere Vorteile dieses Social Networks.
Im Folgenden wird unter Rückgriff auf die Fachliteratur darauf eingegangen, was unter Social Networks zu verstehen ist und auf welche Weise und mit welchen theoretischen Effekten sie in die (Hochschul-)lehre integriert werden können.

2.1 Was versteht man unter Social Networks und welchen Stellenwert haben sie in der Gesellschaft?

Der Begriff soziales Netzwerk bezeichnet zunächst einmal generell ein „Beziehungsgeflecht, das Menschen mit anderen Menschen und Institutionen sowie Institutionen mit anderen Institutionen verbindet“ (Hanke et al., 2003). Im Zusammenhang mit dem Internet wird meist der englische Begriff „Social Networks“ gebraucht, der sich speziell auf Online-Plattformen bezieht, in der sich User miteinander verlinken und so ihr Beziehungsgeflecht virtuell abbilden (Künzler & Iltgen, 2008, S.4). Solche Networks haben in der Regel einen privaten (z.B. Facebook, StudiVZ, MySpace, Lokalisten) oder beruflichen (Xing, LinkedIn) Grundgedanken. Unabhängig von der Art des Social Networks besteht der Hauptnutzen in der Pflege und Bereicherung der Kontakte mit anderen (Künzler & Iltgen, 2008, S.4). Kernelement ist dabei oft ein vom User mit persönlichen und/oder beruflichen Angaben gefüttertes Profil, auf das je nach Freigabe andere User zugreifen können. Ein wichtiger Aspekt des Social Networking ist der geringe Aufwand, mit dem man sich über Ereignisse und Veränderungen innerhalb des Kreises derer, mit denen man sich vernetzt hat, auf dem Laufenden halten kann. Darüber hinaus bieten viele Plattformen die Möglichkeit, sich über das eigene, bereits bestehende Beziehungsgeflecht hinaus in Gruppen zu organisieren, die sich an fach- oder sachspezifischen Themen und Interessen orientieren.
Social Networks sind eine zentrale Komponente des im Laufe der letzten Jahre rasant weiterentwickelten Web 2.0. Das „teilnehmerorientierte“ Internet ermöglicht den Usern durch seine intelligenten Dienstleistungen und Anwendungen, ohne tiefere technische Kenntnisse aktiv an der Entwicklung, Bewertung und Verbreitung von Inhalten mitzuwirken (Vickery &. Wunsch-Vincent, 2007, S.9). In Social Networks erfolgt dies auf vielfältige Art und Weise – über Mails, Blogs, Kontaktlisten und in Chats – und multimedial – mit Fotos, Videos und Audios.

2.2 Was ist Blended Learning?

Das hier entwickelte Konzept basiert auf dem Prinzip des Blended Learning, was so viel wie „hybrides Lernen“ heißt. Blended Learning beinhaltet einen Methodenmix aus Präsenzlernen und elektronischem Lernen. Klassische und neue Organisationsformen, Methoden und Medien werden hierbei vereint, das heißt Face-to-Face-Lernarrangements werden mit (synchronen und asynchronen) Medienarrangements verbunden. Lehrerzentrierte Lernphasen (Präsenzveranstaltungen) wechseln mit Selbstlernphasen ab. Daneben können Lerner-Mentor-, Peer-to-Peer- oder Team-Lernsituationen enstehen. Blended Learning ist generell sehr frei, was Lernmethoden, Lernformen und Lernmedien angeht. Bei der Gestaltung von derartigen Lernumgebungen übernimmt man die Funktion eines Mixers (aus dem Engl.: Blender), der die „perfekte“ Mischung aus E-Learning-Angeboten und klassischen Lernformen zusammenstellt (Reinmann-Rothmeier 2003, S.28f.). Ziel ist es, dass der Lernende weder auf den Umgang mit Neuen Medien, noch auf soziale Interaktion verzichten muss.
Damit ist das Prinzip des Blended Learning ideal geeignet, um Social Networks auf ausgewogene Weise in die Hochschullehre zu integrieren. Wie genau das aussehen kann, erfahren Sie unter Punkt 4.

2.3 Welche Potentiale bietet insbesondere Facebook als offene Lernplattform?

Zunächst möchten wir jedoch noch die didaktischen Modelle und Lerntheorien vorstellen, die dem ausgearbeiteten Blended-Learning Konzept zur Integration von Facebook zugrunde gelegt werden können:

Communities of Practice


Hier Theorie lesen

Als Community of Practice kann im Rahmen des hier vorgestellten Konzepts die Seminargruppe insgesamt gesehen werden. Sie hat sich zusammengeschlossen aufgrund des Interesses am Thema, evtl. auch am Blended Learning Konzept, und teilen mit der Facebook-Gruppe dieselben Werkzeuge. Schließlich nehmen sie in Präsenzveranstaltungen und Online-Diskussionen an derselben Praxis teil.

Networked Learning/ Konnektivismus


Hier Theorie lesen

Wendet man das Modell des Konnektivismus auf das unten vorgestellte Blended Learning Konzept an, ist in erster Linie die Seminargruppe als Organisation bzw. Institution zu sehen. Die Einzelnen tragen besonders auf der Plattform der Facebookgruppe Informationen in Form von Links, Meinungen und multimedialen Inhalten zusammen. Aus diesem Informationspool wiederum schöpft der Einzelne einen Großteil seines Wissens und trägt auf der anderen Seite dazu bei, das Netzwerk zu vergrößern. Es wird dabei auch der vorwiegend digitalen Informationsbeschaffung Rechnung getragen.

Reflexives Lernen


Hier Theorie lesen

Reflexion ist für das unten ausgearbeiteten Blended-Learning ein bedeutender Aspekt. Sei es bei der konzentrierten Rezension der Hausarbeit anderer Seminarteilnehmer oder bei der Einarbeitung der Kritikpunkte der anderen in die eigene Hausarbeit. Auch im Zuge der Referatserstellung, bei der die einzubringenden Inhalte sorgfältig ausgewählt werden müssen und bei online- und offline-Diskussion laufen reflexive Prozesse ab. Die auf diese Weise häufig reflektierten Inhalte werden besser verinnerlicht und erinnert.

Kollaboratives Lernen


Hier Theorie lesen

Im Fall des hier nachfolgend vorgestellten Blended Learning Konzepts kommen beide Formen der Arbeitsteilung zum Tragen: Ist die Teilnehmerzahl höher als die Anzahl der zu vergebenden Themen, müssen die Referate in Gruppen erarbeitet werden. Dies erfordert ein sinnvolle Aufteilung der Aufgaben und damit Kooperation. Während der Diskussion (online wie offline) ergänzen die Teilnehmer gegenseitige Annahmen und Kritiken und arbeiten damit kollaborativ. In einer solchen Situation lernen die Teilnehmer, einerseits ihren eigenen Standpunkt zu vertreten und andererseits die Positionen der anderen zu berücksichtigen und zu respektieren.


3. Vorstellung des entwickelten Veranstaltungskonzepts


Im Folgenden wird das Veranstaltungskonzept eingeführt und erläutert. Zunächst wird hierfür die Frage behandelt, worum es sich generell handelt. Anschließend werden die Besonderheiten des Lehr-Lernkonzepts dargestellt und wichtige Tools zur Durchführung erklärt.

3.1 Worum handelt es sich?

Grundlegend handelt es sich bei dem nun vorgestellten Veranstaltungskonzept um eine Blended-Learning Veranstaltung, in deren Rahmen Facebook zur Unterstützung der Präsenzveranstaltungen eingesetzt wird. Das Konzept beinhaltet zunächst keine multimedialen Anteile wie Podcasts, Screencasts, Videocasts etc. Diese können jedoch nach Ermessen des Lehrenden flexibel integriert und aktiv genutzt werden. Ziel ist, eine Blended Learning Veranstaltung zu konzipieren, die aufgrund ihrer basalen Ausrichtung leicht anzulegen, anzupassen und auszuweiten ist. Hierfür können die Lehrenden bereits bestehende Lehr-Lern-Konzepte mit Hilfe dieses Wiki-Beitrags umstrukturieren, ohne etwas vollkommen Neues entwickeln zu müssen.

Generell wurde das Blended Learning Konzept so ausgearbeitet, dass es sich auf jedes Themengebiet anwenden lässt. Am besten geeignet beziehungsweise am wenigsten aufwendig ist die Modifikation klassischer Seminare, deren Leistungsbewertung basierend auf dem Besuch wöchentlicher Präsenzveranstaltungen sowie dem Anfertigen eines Referats und einer Hausarbeit erfolgt. Diese Bausteine bleiben auch in der Blended Learning-Veranstaltung bestehen, werden jedoch angepasst. Die Präsenztermine werden in einen zweiwöchentlichen Rhythmus gelegt. Die virtuellen Phasen finden auf Facebook, genauer in geschlossenen Gruppen innerhalb des Social Networks statt. Eine Administration ist hier durchaus notwendig, jedoch kann auf spätere Moderation verzichtet werden, da die Studierenden diese selbst übernehmen.

Die Grundbausteine der neu gestalteten Blended Learning Veranstaltung sind:
  • Hausarbeit: Die Hausarbeiten stellen eine Art detaillierte wissenschaftliche Ausarbeitung des Referatsthemas dar und werden vor dem Referat den anderen Seminarteilnehmern zur Information und Redigierung zur Verfügung gestellt.
  • Referat: Die Referate werden wie üblich in den Präsenzveranstaltungen gehalten. Sie sind jedoch – aufgrund der vorherigen Lektüre durch alle Seminarteilnehmer und zugunsten des Mehraufwands durch die Onlinephasen – stark gekürzt. Im Anschluss an die Referate wird die im Vorfeld online geführte Diskussion vertieft.
  • Facebook bzw. Facebook-Gruppe: Hier finden vor- und evtl. auch nachbereitende Diskussionen zu den einzelnen Themen statt, werden zusätzliche Hintergrundinformationen verlinkt sowie Hausarbeiten eingestellt und rezensiert. Auch ein Überblick über den Verlauf der Präsenzveranstaltungen lässt sich hier schaffen.

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Abbildung 1 Elemente des Veranstaltungskonzepts


Eine konkrete Darstellung davon, wie diese Grundbausteine in der Blended Learning Veranstaltung umgesetzt werden, erhalten Sie unter Punkt 4.

3.2 Was ist die Besonderheit dieser Lerneinheit?

Für den Lehrenden bietet dieses Konzept die Möglichkeit, sich niederschwellig dem Thema Web 2.0 Lernen zu nähern. Es bedarf weder einer ausgeprägten Affinität zu Neuen Medien noch besonderer technischer Kompetenzen, um ein derartiges Blended Lerning Konzept anzuwenden. Obwohl die Präsenzphasen verkürzt und Online-Phasen integriert werden, findet die Leistungsbewertung auf unveränderter Grundlage – Referat und Hausarbeit sowie die grundsätzliche Teilnahme an den Diskussionen – statt. Für die Lernenden lassen sich darüber hinaus eine ganze Reihe positiver Lerneffekte erwarten. Durch stetig stattfindende Wiederholung und intensives, weitgehend diskursives Auseinandersetzen mit den Lerninhalten findet eine intensive Lernphase statt. Diese unterstützt zudem die Vernetzung mit bereits Gelerntem sowie aktuellen Ereignissen. Aufgrund der verkürzten Präsenzphasen müssen die Lerninhalte, welche im Rahmen des Referats präsentiert werden, sinnvoll selektiert und ausgearbeitet werden. Eine Reduktion auf das Wesentliche steht hierbei im Vordergrund. Trotz dieser Reduktion findet eine intensive Präsenzphase statt. Durch die gründliche Auseinandersetzung mit den Sitzungsthemen auf Facebook kann während der Seminarsitzung fundiert und fokussiert diskutiert werden. Schlussendlich wird auch das Formulieren und Annehmen von konstruktiver Kritik gefördert und gefordert. Der Nutzen für die Lernenden erstreckt sich demzufolge vom Erlangen reinen Faktenwissens über das Training diverser Softskills bis hin zur geförderten Medienkompetenz.


3.3 Einführung der auf Facebook vorhandenen Werkzeuge

Schritt 1: Profil anlegen

Sofern Sie noch kein Nutzer von Facebook sind sollten sie sich erst einmal einen Account anlegen. Eine detaillierte Beschreibung finden Sie hier . Achten Sie hier vor allem auf die Privatsphäre-Einstellungen (hierhin gelangen Sie über den Menüpunkt „Konto“ ganz oben rechts). Auch wenn Sie bereits einen privaten Account besitzen ist es bisweilen sinnvoll sich einen zweiten, beruflichen Zugang (Email-Adresse der Hochschule) zuzulegen.

Schritt 2: Sich mit den wichtigsten Elementen des Accounts vertraut machen

  • Startseite: Auf der Startseite Ihres Facebook-Accounts können Sie in chronologischer Reihenfolge alle neuen Statusnachrichten und Posts der Personen sehen, mit denen Sie sich vernetzt haben (sog. „Freunde“).
  • Profilseite: Im Prinzip ist diese Seite die eigene Homepage in Facebook. Das eigene Profil lässt sich bis zu einem gewissen Grad individuell gestalten. Einzelne Reiter zu verschiedenen Anwendungsbereichen lassen sich hinzufügen; klassische Elemente sind hier jedoch Pinnwand (s. u.), Info (mit Informationen zur eigenen Person), Fotos (zum Präsentieren eigener Bilder), Videos und Links (eine Sammlung aller geposteten Links) etc. Auch der Reiter „Docs“ für die Office-Anwendung in Facebook findet sich später im Profil wieder.

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Profilseite eines Facebook Profils

  • Pinnwand: Die Pinnwand ist der Ort, an dem Sie und Ihre „Freunde“ Neuigkeiten, Fotos, Videos und Links posten können. Darüber hinaus erscheinen alle eigenen Aktivitäten auf dieser Wand, sie können jedoch über die Privatsphäre-Einstellungen (siehe unter „Anmeldung“) verdeckt werden. Statusmeldungen müssen dabei nicht für jeden einsehbar sein. Wie sich dies problemlos bestimmen lässt finden Sie hier.
  • Chat: Klassisches Chatprogramm, das die Möglichkeit mit „Freunden“ zu chatten bereitstellt.
  • Nachrichten: Facebook-internes E-Mail-Programm, mit dem ausschließlich „Freunde“ angeschrieben werden können. Auch Gruppenmails sind dabei möglich.
  • Freunde: Die eigenen Kontakte werden unter der Rubrik „Freunde“ aufgeführt. Da der durchschnittliche User 130 Kontakte besitzt, ist die Möglichkeit, hier verschiedene Listen mit individuellen „Zugriffsrechten“ auf Ihre Angaben und Posts anzulegen, insbesondere auch für den Kontext Hochschule sinnvoll. Über den Button „Liste erstellen“ ganz oben im Menüpunkt „Freunde“, kann man schnell und einfach die eigenen Kontakte sortieren bzw. gruppieren und diesen Listen bei den Privatsphäre-Einstellungen unterschiedliche Zugriffsrechte erteilen. Auf diese Weise lässt sich die Privatsphäre auf Facebook gut kontrollieren. Eine detaillierte Anleitung zur Erstellung von Freundeslisten und anderen Privatsphäre-Einstellungen findet sich hier

Schritt 3: Sich mit den Elementen, die für das Seminar benötigt werden, vertraut machen

Gruppen: Für ein Seminar eignen sich geschlossene Gruppen hervorragend, da hier die Einstellungen ermöglichen, die ausgetauschten Inhalte dem Zugang des restlichen Netzwerks zu entziehen: Nur Gruppenmitglieder haben auf die Inhalte Zugriff. Allerdings herrscht häufig Unklarheit darüber, was eigentlich der Unterschied zwischen Profilen, Gruppen und Seiten ist. Eine treffende und differenzierte Erläuterung findet sich hierzu bei All Facebook. Wer das ganze lieber auf Deutsch erläutert haben möchte kann sich die freie Übersetzung bei Thomas Hutter durchlesen.

Anmerkung: Die Erstellung einer Facebook-Seite (z.B. „Lehrstuhl für Politikwissenschaft Universität Augsburg“) als Alternative zum persönlichen Account bietet sich dann an, wenn das Blended Learning Konzept derart ausgeweitet wird, dass eine Vielzahl an verschiedenen Veranstaltungen auf Facebook angeboten wird. Von dieser Seite aus lassen sich dann alle Veranstaltungs-Gruppen einfach verwalten.

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Abbildung 3 Die Gruppe zum Seminar

Sie können eine Gruppe erstellen, indem Sie im Menü auf der linken Seite zum Bereich "Gruppen" gehen und oben rechts auf der Seite auf den Button "Neue Gruppe gründen" klicken. Auf der nachfolgenden Seite können Sie eine Beschreibung über die Gruppe eingeben. Alle Gruppen müssen einen Namen, eine Beschreibung und eine Gruppenart haben. Wenn Sie mit der Eingabe der Informationen fertig sind, klicken Sie auf "Gruppe gründen". Anschließend können Sie die Privatsphäre-Einstellungen der Gruppe festlegen und ein Gruppenbild hinzufügen. Diese Einstellungen können Sie jederzeit ändern, wenn Sie auf der Hauptseite der Gruppe auf "Gruppe bearbeiten" klicken. Sollten sich hierbei Fragen ergeben, können Sie sich im Help-Centre von Facebook informieren. Im Rahmen des Seminars werden Sie vor allem die Reiter Pinnwand, Diskussionen und Veranstaltungen nutzen.

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Abbildung 4 Diskussionsseite einer Seminargruppe in Facebook

Die Anwendung „Docs“: Schlussendlich sollten Sie noch die Anwendung „Docs“ hinzufügen. Dabei handelt es sich um eine in Facebook integrierte Online-Version von Microsoft Office, die es ermöglicht, Word-, Excel- oder Powerpoint-Dokumente online zu erstellen oder hochzuladen und für andere – zur Mitarbeit (Editor) oder nur zur Lektüre (Viewer) – zugänglich zu machen. Das Setzen von Kommentaren ist immer möglich. Die Bearbeitungsoberfläche online ist dabei an die gewohnte Oberfläche der Microsoftprogramme angelehnt. Die eigenen eingestellten Dokumente sind unter dem extra Reiter „Docs“ auf der Profilseite zu finden und stets nur für die Personen zugänglich, denen man Zugriffsrechte eingeräumt hat. Zusätzlich zu einer automatisch generierten Benachrichtigung per Mail kann man zu einem Dokument „eingeladene“ Personen auch über einen Direktlink auf neue Dokumente aufmerksam machen. Da diese Anwendung momentan noch in der Beta-Version verfügbar ist, müssen Sie sich lediglich hier registrieren.


4. Praxisbeispiel: Modifikation einer Präsenz- zu einer Blended-LearningVeranstaltung


4.1 Wie sieht das „alte“ Präsenzkonzept aus?

Um eine Adaption in den meisten Studiengängen zu ermöglichen, wurde wie bereits erwähnt als grundsätzliche Veranstaltungsform das Seminar mit dem Aufbau Referat/ Hausarbeit im Rahmen wöchentlicher Präsenzsitzungen ausgesucht. Bei dem von uns zur weiteren Konkretisierung gewählten Beispiel handelt es sich um ein Seminar des Lehrstuhls für Politikwissenschaft an der Universität Augsburg mit dem Titel: „Energie- und Umweltpolitik in Südosteuropa – Wege in eine nachhaltige Gesellschaft“. Bei ca. 25 Teilnehmern wurden für 10 Themen Referate vergeben. Die wöchentlichen Sitzungen wurden dementsprechend von Gruppen mit jeweils 2-3 Personen mit den Elementen Referat (ca. 60 Min.) und Diskussion gestaltet.

Folgender Ausschreibungstext beschreibt Inhalte und Ausrichtung:

„Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre konnten in fast allen ost- und südosteuropäischen Staaten sozialistische totalitäre Systeme überwunden werden. In der Phase des Übergangs von der sozialistischen Wirtschaftsweise in die marktwirtschaftliche Form beinhaltet der politische und wirtschaftliche Neuanfang die Chance, den Wiederaufbau von Industrie, Handel und Dienstleistungssektor unter Beachtung umweltpolitischer Belange zu vollziehen.
Deshalb ist es wichtig, dass der wirtschaftliche Wiederaufbau Hand in Hand mir der Sanierung der Umwelt geht. Der Integration von Umweltaspekten in die vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozesse auf internationaler, nationaler, regionaler und lokaler Ebene kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Es ist inzwischen bewiesen, dass die Verhinderung von Umweltbelastungen kostengünstiger ist, als ihre nachträgliche Beseitigung. Die Herausforderungen der Umweltpolitik sollten in diesem Zusammenhang die Verringerung von Gesundheitskosten und Produktivitätsverlusten sowie die Gewährleistung von Lebensqualität sein.
In diesem Seminar zum Bereich "Umweltforschung" diskutieren wir über den Stand der Entwicklung der Umweltpolitik in den neuen Staaten in Südosteuropa im Kontext der internationalen und globalen umweltpolitischen Fragen und Verflechtungen.“


4.2 Wie könnte man das in eine Blended-Learning Veranstaltung übertragen?


Eine feste Vorgabe für die Umstrukturierung des Seminars war, die Seminarinhalte nicht zu reduzieren, sondern allenfalls umzustrukturieren. Ziel war es aus dem Bestehenden etwas Neues zu kreieren, dadurch sowohl die emotionale, soziale, motivationale als auch kognitive Dimension des Lernens positiv zu beeinflussen und somit einen verbesserten Lernerfolg zu gewährleisten. Das nun vorgestellte Konzept stützt sich auf die zuvor vorgestellten theoretisch begründeten Potenziale von Lernen in Social Networks.

Das Seminar „Energie- und Umweltpolitik in Südosteuropa – Wege in eine nachhaltige Gesellschaft“ wird auf zehn bis höchstens 20 Teilnehmer reduziert. In zweiwöchentlichen Sitzungen werden alle Themen aus dem ursprünglichen Ablaufplan des Seminars übernommen, das heißt in jeder Sitzung werden zwei Themen statt einem behandelt und entsprechend zwei Referate gehalten. Je nach Teilnehmeranzahl erarbeiten die Studierenden ihre Themengebiete alleine oder in Kleingruppen. Aufgrund der reduzierten Präsenzphase werden die Referate auf Kurzreferate (maximal 20 Min.) gekürzt. Im Anschluss an jedes Referat findet wie gewohnt die Diskussion statt.

Eine Woche vor der Präsentation des eigenen Referates stellen die Referierenden eine thematische Ausarbeitung ihrer Fragestellung in Form einer Hausarbeit mit einem Umfang von etwa 30 000 Zeichen auf Facebook ein. Diese Ausarbeitung behandelt das Thema des Kurzreferats ausführlich, wird jedoch zunächst nicht bewertet, sondern dient den anderen Teilnehmern als Informationsquelle. Für das Einstellen in Facebook wird die oben eingeführte Anwendung „Docs“ verwendet. Alle Seminarteilnehmer werden als Leser (Viewer) zum Hausarbeitsdokument eingeladen und der jeweilige Direktlink zum Dokument wird zusätzlich als Erinnerung auf der Pinnwand der Gruppen eingestellt. Nun können sich alle Teilnehmer die Ausarbeitung durchlesen und diese kommentieren.

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Ein in Facebook online gestelltes Word-Dokument mit Platz für Kommentare und Rezensionen auf der rechten Seite

Um die Online-Phase diskursiv zu gestalten, werden von den Referierenden erste Diskussionsfragen vorbereitet und in der Facebook Gruppe unter dem Reiter „Diskussionen“ verfasst. Alle Seminarteilnehmer sind angehalten ergänzende Links, Videos, Dokumente oder Kommentare zu posten und auch damit zur Diskussion beizutragen. Basierend auf diesen Diskussionen wird der Fokus für das Kurzreferat gesetzt. Die wichtigsten Aspekte des jeweiligen Themas werden anschließend in der nächsten Präsenzsitzung nochmals verdichtet erläutert und dann basierend auf der Online-Diskussion weiter vertieft. Die Referenten müssen schlussendlich ihre Hausarbeit auf Basis der Diskussionsbeiträge und Online-Rezensionen bzw. Kommentare der anderen Teilnehmer überarbeiten und diese beim Dozenten zur Bewertung einreichen.

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Abbildung 1 Zeitlicher Ablauf der Online- und Offline-Phasen

Unter dem Reiter Veranstaltungen werden die jeweiligen Präsenztermine angekündigt. Darüber hinaus können hier passende Events, wie Vorträge, Filme, Podiumsdiskussionen, Kundgebungen etc. ergänzt werden.

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Veranstaltungsliste der Seminargruppe in Facebook

Wenn Sie bereits über einen Facebook-Account verfügen, können Sie sich die Gruppe hier genauer ansehen.


5. Leitfaden zum konkreten Vorgehen bei der Konzeption und Durchführung einer Blended-Learning Veranstaltung


Der folgende Abschnitt beinhaltet eine Reihe praktischer Anweisungen zur Umsetzung eines Blended-Learning Seminars auf Facebook. Zur Erleichterung Ihrer Arbeit wurden diese in Form einer Checkliste zusammengestellt und durch wichtige praktische Hinweise ergänzt.

5.1 Wie gestaltet sich die Konzeption und Durchführung der Unterrichtseinheit konkret?

Im Folgenden finden Sie eine Checkliste, die Ihnen als Leitfaden dienen kann und so die Durchführung Ihres Seminars erleichtern soll. Generell können Sie die Konzeption natürlich flexibel Ihren Wünschen, Ideen und Bedürfnissen anpassen.

  1. Adaption der Themenliste für den zweiwöchentlichen Rhythmus: Modifizieren Sie Ihre bisherige Themenliste so, dass Sie das Seminar im zweiwöchentlichen Rhythmus bestreiten können. Je Sitzung können max. zwei Kurzreferate gehalten werden. Ggf. ist es sinnvoll in diesem Kontext auch die Teilnehmerzahl beschränken. Angemessen sind maximal zwei Personen pro Thema, um die Zusammenarbeit zu erleichtern und online die Übersicht zu wahren. Passen Sie auch Ihren Ablaufplan an den geänderten Rhythmus an, sodass es nicht zu Verwirrungen kommt. Wir empfehlen, immer die Themen von zwei ursprünglich aufeinander folgenden Referatsterminen in einer Sitzung zu zwei (weiterhin separaten) Kurzreferaten zusammenzufassen. Möglichweise ist es sinnvoll, zwischen Kickoff-Treffen (s. Punkt 4) und erstem Referatstermin eine Online-Phase von drei Wochen einzuplanen, damit die Teilnehmer genügend Zeit haben, sich in die Onlineumgebung einzufinden und die ersten beiden Gruppen sich ausreichend auf Hausarbeit und Referat vorbereiten können.
  2. Anmeldung auf Facebook: Sofern Sie noch keinen eigenen Zugang besitzen, sollten Sie sich nun mit der Social Community vertraut machen. Hilfe hierzu finden unter Punkt 3.3.
  3. Einrichten der Gruppe und ggf. Ernennen von Administratoren: Richten Sie nun eine Gruppe für Ihr Seminar ein und laden Sie sich die Anwendung Docs in Ihr Profil. Die Wichtigsten Elemente Ihrer Gruppe sind „Pinnwand“, „Informationen“, „Veranstaltungen“ und Docs. Pflegen Sie in diesem Zusammenhang auch die Referatstermine und diverse Deadlines in „Veranstaltungen“ ein und setzen Sie für jeden Termin unter dem Button „Jemanden einladen“ ein Häkchen bei „Neue Mitglieder von ... einladen“ (um sicherzustellen, dass alle neu beitretenden Personen die Veranstaltungsliste auch sehen können). Ergänzen Sie Informationen zum Inhalt des Seminars und erklären Sie unter „Informationen“ ggf. noch einmal das Blended-Learning Konzept. Für diese Arbeitsschritte sollten Sie sich einmal zwei Stunden Zeit nehmen. Danach steht die Oberfläche für Ihr Seminar und Sie müssen zukünftig nur noch gelegentliche administrative Arbeiten erledigen, wie die Pflege der Veranstaltungsliste. Hilfe finden Sie auch unter Punkt 3.3. Sollten Sie Schwierigkeiten mit dem Einrichten der Gruppe haben oder allgemein bei der Durchführung des Seminars eine studentische Hilfskraft einsetzen wollen, können Sie beispielsweise einen Tutor zum Administrator ernennen, dem dann Verwaltungsrechte ähnlichen Ihren eigenen innerhalb der Gruppe zugestanden werden. Die häufigsten Fragen Rund um das Thema Facebook Gruppen werden hier beantwortet.
  4. Kick-Off Veranstaltung: Empfiehlt es sich schon bei regulären Präsenzveranstaltungen, die erste Sitzung als Kick-Off Termin zur Besprechung der organisatorischen Grundlagen zu nutzen, ist dies im Bereich Blended Learning noch einmal besonders hervorzuheben. Im Rahmen dieser ersten Seminarsitzung ist es wichtig, den Studierenden die Besonderheit, die Zielsetzung und den Ablauf des Seminars zu erläutern. Darüber hinaus sollten die Referatsthemen vergeben und die Leistungsanforderungen geklärt werden. Schlussendlich sollten Sie noch eine technische Einführung bzw. Vorstellung von Facebook im Allgemeinen und der Seminar-Gruppe im Besonderen geben. Wichtig ist es, dass alle Teilnehmer nach dieser Veranstaltung auf dem gleichen Wissensstand sind und eine gemeinsame Basis bezüglich des Seminars haben. Sofern Sie einen Administrator bestimmt haben, können Sie diesen im Plenum als Ansprechpartner für technische Fragen vorstellen.
  5. Wechselnde Präsenz- und Online-Phasen: Nach dem Kick-Off folgt der normale Seminar-Alltag. Online- und Offline-Phasen wechseln sich ab. Auch wenn die Moderation die Referatsgruppen selbst übernehmen, sollten Sie natürlich regelmäßig in der Gruppe „vorbeischauen“, stets über den aktuellen Diskussionsstand informiert sein
  6. Abschlusstreffen und Evaluation der Veranstaltung: Wie bei (Blended-Learning) Veranstaltungen üblich, sollten Sie das Semester mit einem Abschlusstreffen beenden. Hier steht die Reflexion und Evaluation des Seminars im Vordergrund. Ob Sie dies über Evaluationsbögen oder im offenen Gespräch realisieren, ist Ihnen überlassen. Wichtig ist es jedoch, diese Möglichkeit zum konstruktiven Feedback wahrzunehmen, um folgende Veranstaltungen ggf. zu verbessern.

5.2 Welche Möglichkeiten zur Leistungsbewertung bieten sich an?

Neue Lehr-Lernmethoden haben oftmals die Tücke, dass sie sich nur schwer mit den Prüfungsordnungen des jeweiligen Studienfaches vereinen lassen. Das vorliegende Konzept bietet jedoch analog zu klassischen Lehrveranstaltungen folgende Bausteine, die als Bewertungsgrundlage dienen können:
  • Referate in Präsenzveranstaltungen
  • Überarbeitete Hausarbeiten: Hier sollte beachtet werden, dass die ersten Ausarbeitungen nicht in die Bewertung einfließen. Den Studierenden wird aufgrund des konstruktiven Feedbacks sowie den Diskussionsbeiträgen ihrer Kommilitonen die Möglichkeit gegeben, sich nochmals mit ihrer Arbeit auseinanderzusetzen. Gerade dieser Aspekt des Überarbeitens ist ein wichtiger Lernprozess, dem genügend Raum gegeben werden sollte.
  • Aktive Teilnahme und Moderation des Diskurses auf Facebook: Die einzelnen Beiträge zu Diskussion und Moderation sind in der Facebook-Gruppe schriftlich fixiert und können daher nach Belieben durchaus in die Bewertung mit einfließen. Eine solche Handhabung ist natürlich optional, jedoch sollten diese Aktivitäten zumindest als Teilnahmebedingung eingeführt werden, um den Stellenwert der Online-Phase zu betonen.
  • Das Kommentieren der Ausarbeitungen: Die einzelnen Rezensionen beziehungsweise Kommentare zu den Hausarbeiten können ebenfalls als Bewertungsgrundlage dienen. Auch hier ist eine aktive Teilnehme zumindest als Teilnahmebedingung zu betrachten.

5.3 Worauf sollte man besonders achten?

Da es sich bei Facebook trotz allem um eine kommerzielle Plattform handelt, sollten Sie ein paar Dinge bei der Durchführung beachten.

1. Privatsphäreeinstellungen des eigenen Profils und der Gruppe
Vergessen Sie nicht, dass Sie sich auf einer international genutzten Online Community bewegen, darüber hinaus gerät Facebook immer wieder in den Verruf, persönliche Daten nicht ausreichend zu schützen. Dies ist generell kein Problem, denn es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, selbst zu bestimmen, wem Sie wie viel von sich preisgeben möchten. Überprüfen Sie hierfür Ihre Privatsphäreeinstellungen sowie die Einstellungen der Facebook Gruppe und bestimmen Sie selbst über die Veröffentlichung Ihrer Daten. Hilfe findet sich hier.

2. Stellenwert der Onlinephase betonen
Sofern Sie mit Studenten arbeiten, die wenig bis keine Erfahrung mit Web 2.0 Lernen besitzen, ist es wichtig den Stellenwert der Onlinephase zu betonen. Nur wenn sich alle Lernenden aktiv an der Diskussion und dem Feedback der Ausarbeitungen beteiligen, kann diese Phase einen maximalen Lernerfolg unterstützen. Da Sie sich nicht auf einer eigens dafür konzipierten Lern-Community bewegen, sollten Sie dem Seminar die nicht-freizeitliche Nutzung von Facebook erklären und begründen.

3. Vorgaben und Deadlines sind verbindlich
In vielen Seminaren werden Zeitvorgaben und Deadlines nicht allzu bindend gesehen. Ob ein Referat 40 oder 60 Minuten dauert ist dann schon einmal egal, ob die Hausarbeit 15 oder 20 Seiten lang ist ebenfalls. Für das Gelingen dieses Seminarkonzeptes ist es jedoch essenziell, dass die Ausarbeitungen zu dem vorgegebenen Termin auf Facebook eingestellt werden, dass die Referate die vorgegebene Zeit (15 bis maximal 20 Min.) nicht überschreiten und auch der Umfang der ersten Ausarbeitungen (etwa 30 000 Zeichen) weitgehend einheitlich ist.

4. Veranstaltungskalender aktuell halten
Da die Studierenden für ihren eigenen Beitrag im Seminar verschiedene Deadlines beachten müssen ist es sinnvoll den Veranstaltungskalender aktuell zu halten. Sollte es aufgrund von Krankheitsfällen oder unerwarteter Ausfälle zu Verschiebungen kommen, sollten Sie dies unbedingt in dem Facebook-Kalender fixieren. So ersparen Sie sich übermäßige Anfragen und heben nochmals den praktischen Nutzen von Facebook hervor.

6. Fazit und Ausblick


Das Konzept ist ein „theoretischer“ Versuch, den wir auf Basis ausgewählter didaktischer Grundlagen und unserer eigenen Kenntnisse und Erfahrungen in Lehrveranstaltungen und digitalen Lernplattformen entworfen haben. Wissenschaftliche Einsichten in Social Networks for Learning legen nahe, dass die Vertrautheit mit der Plattform Facebook und die weitgehende Auflösung von Hierarchien Synergieeffekte bewirken können. Kollaboration und Kooperation sowie reflexive Prozesse werden gefördert.

Unter Berücksichtigung dieser Vorteile haben wir versucht, hemmende Elemente zu beseitigen und alle praktischen Eventualitäten soweit wie möglich voraus zu denken. Die Möglichkeit zur Erstellung von Listen mit unterschiedlichen „Befugnissen“ in Bezug auf das eigene Profil und die seit Kurzem erweiterten Einstellungsmöglichkeiten zur Privatsphäre auf Facebook, ebenso wie die absolute Abschirmung der Gruppeninhalte von der Facebook-Öffentlichkeit halten wir für grundlegende Voraussetzungen für die Erschließung von Facebook für die Hochschullehre. Eine Synergie zwischen Privatem und Bildungsbereich, ohne die vollkommene Verschmelzung beider ist sinnvoll.
Berücksichtigt man dies, stellt das Konzept für Facebook in der Hochschullehre eine einfach zu handhabende Möglichkeit dar, sich mit E-Learning und Web 2.0-Lernen vertraut zu machen. Unter Nutzung bereits vorhandener Strukturen und Inhalte wird mit geringem technischem und organisatorischem Aufwand eine neue Veranstaltung geschaffen, die neue Lerneffekte verspricht.

Zudem ist das Konzept flexibel in der Anpassung für weitere Elemente und/oder Veranstaltungsformen. So würde beispielsweise eine leichte Modifikation die Umsetzung einer Vorlesung möglich machen, bei der etwa die Mitschnitte der Präsenzveranstaltungen als Podcasts in die Facebookgruppe gestellt werden können. Überhaupt bietet sich die Erweiterung um multimediale Elemente (vgl. Podcast, Multimediablog, Portable Anwendungen) für fortgeschrittene Web2.0-Lehrende und -Lernende an. Für Veranstaltungsform sowie verwendete Medien sind kaum Grenzen gesetzt. Dieses Konzept soll eine Grundlage für erste „Gehversuche“ auf der Plattform Facebook liefern und Hemmschwellen senken. Welche Elemente Sie letzten Endes einsetzen und wie Sie diese kombinieren um eine erfolgreiche und interessante Veranstaltung zu schaffen, bleibt Ihnen überlassen. Wir wünschen viel Erfolg und würden uns über Erfahrungsberichte sehr freuen.


Literatur


  • Hanke, Konrad, Schwarz et al. (2003). Fachgebärdenlexikon Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Institut für deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser, Universität Hamburg. URL: http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/l53/l5385.htm (Stand: 21.06.2010).
  • Künzler, S.; Iltgen, A. (2008). Social Networking. Plattformen und Potentiale. Norderstedt: Grin Verlag.
  • Vickery, G.; Wunsch-Vincent, S. (2007). Participative Web and User-Created Content: Web 2.0, Wikis and Social Networking. OECD Publishing.
  • Reinmann-Rothmeier, G. (2003). Didaktische Innovationen durch Blended Learning. Leitlinien anhand eines Beispiels aus der Hochschule. Bern: Verlag Hans Huber.
  • Social Networks for Learning (2009). Adoption Strategies for Social Networks in Learning Environments. URL: http://socialnetworksforlearning.com/?p=9 (Stand: 09.06.2010).