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Multimedia-Blogs als Tools zur Gestaltung situierter Lernumgebungen

von Benjamin Linder und Philip Meyer




1. Einleitung: Welchen Fokus setzt das Projekt Multimedia-Blog?


Ziel des Projekts Multimedia-Blogseminar ist es, eine Lernumgebung zu schaffen, die überall verfügbar ist. Sie soll die authentische Dokumentation von Erfahrungen ermöglichen. Situatives Lernen, integriert in den Alltag der Studierenden, bietet Chancen für das Hochschulstudium.
Das Konzept des „Multimediablogs“ ist ein geeignetes Mittel, um mehr situativen Bezug im Lernen herzustellen. Dadurch, dass die Studierenden mittels Fotos und Videos per Mobiltelefon ihre Lernerfahrungen dokumentieren, kann ein Austausch entstehen. Dieser findet dann konkret über einen Seminar-Blog statt, wo multimediale Inhalte gepostet und kommentiert werden können. Der Blog ist jederzeit und ortsunabhängig zu erreichen und bietet so die optimale Plattform zum Teilen von individuellen Erlebnissen.


2. Potenzial von Blogs und Mobiltelefonen für die Lehre


Wir greifen, wie bereits angedeutet, auf die technologischen Vorteile von Mobiltelefonen und Weblogs zurück. Im Folgenden sollen beide Werkzeuge vorgestellt werden, um im Anschluss auf die didaktische Anwendung im Kontext der Hochschullehre einzugehen.

2.1 Zur Bedeutung von „Weblogs“


Der „Blog“ ist eine Kurzform des Begriffs Weblog undBrowserhttp.jpg setzt sich aus den Wörtern Web (= Internet) und Log (=Journal, Tagebuch) zusammen. Somit ist er ein meist öffentlich im Internet geführtes Tagebuch, das prinzipiell von jedem genutzt werden kann, um sich eine Stimme in der Öffentlichkeit zu geben. Nach Williams & Jacobs (2004) sind Weblogs im privaten Kontext eine Form des Micropublishings, die flexibel in verschiedene Motivations- und Bedürfnislagen integrierbar ist. Die Freude am Schreiben steht hierbei im Mittelpunkt.
.Wenn Sie mehr über die Grundlagen von Blogs erfahren wollen, klicken Sie bitte hier..

Für das Lernen muss darauf geachtet werden, dass wichtige Nutzungsanreize, wie zum Beispiel Spontaneität und Authentizität verloren gehen (Panke & Oestermeier, 2006). Deshalb braucht es neuer Anreizstrukturen. Zudem sollte beachtet werden, dass unter Umständen Hemmungen bestehen, was das öffentliche Einstellen von Inhalten angeht, gerade auch wenn dies mit einer Bewertung seitens des Dozenten verknüpft ist. Dennoch besteht die Möglichkeit die Studierenden an die öffentliche Beteiligung durch das Einstellen von Inhalten heranzuführen. Die Studenten sollten sich mit den geschaffenen Produkten zu einem gewissen Grad identifizieren können, fertige Beiträge (Ton/ Schnitt/ Nachbearbeitung etc.) eignen sich unter Umständen hier besser als unfertige Beiträge. Auch um eine Beteiligung auf dem Blog zu erreichen sollte der Konsum der Inhalte „Spaß machen“ bzw. keine große Hürde darstellen. Ein großer Vorteil ist, dass im Internet einfach und direkt die Möglichkeit besteht, Feedback zu geben und zu erhalten.

2.2 Studien zum Einsatz von Blogs in der Lehre


Nach Fiedler (2004) eignen sich Weblogs besonders für selbstorganisierte Lehr- und Lernszenarien. Eine Fallanalyse bestätigt diese Erfahrung: Die Teilnehmer/innen eines virtuellen Seminars posteten und kommentierten sehr aktiv; die Dozenten dagegen nur vereinzelt am Beginn der Veranstaltung. Im Durchschnitt verfassten die Doktorant/innen 14,5 Postings und 29 Kommentare. Acht Teilnehmer haben eine eher geringe Beteiligung (1 bis 16 Beiträge), 10 Teilnehmer eine hohe Beteiligung (47 bis 120 Beiträge). Von den aktivsten drei Teilnehmerinnen wurden 26% der Postings und 35% der Kommentare verfasst.

Rohs & Korner (2006) untersuchten, für welche didaktischen Szenarien sich Weblogs besonders eignen. Sie erwähnen dabei zum einen die Veranstaltungsorganisation, also z.B. Termine, Ablage von Literaturhinweisen, Quellen, Materialien, Folien u. a.,Rückmeldungen und Fragen zur Präsentationen. Zum anderen nennen Sie die Erarbeitung von Arbeitsergebnissen, also die individuelle sowie kollektive Sammlung, Dokumentation und Reflexion von Quellen und Ideen, sowie deren Diskussion. Daneben ist die Dokumentation und Besprechung von fertigen Ergebnissen zentral, u.a. zum Zweck der Prüfungsvorbereitung.

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Grafik zu den didaktischen Szenarien nach Rohs & Korner (2006)

Sie machten zudem die Erfahrung, dass beim Einsatz von Blogs in der Lehre die technischen Anforderungen eher gering sind, es gibt meist positive Rückmeldung von den Studierenden, die Interaktion zwischen den Studierenden kann gefördert werden, eine gewisse Grundmotivation ist jedoch Voraussetzung. Zudem bieten Weblogs ein hohes Potenzial zur Reflexion eigenen Wissens und eigener Erfahrungen und eignen sich gut zum selbst gesteuerten Lernen. Besonders fachlich fortgeschrittene Studierende profitieren von Weblogs. Die Benotung von Weblogs stellt dabei eine neue, nicht zu unterschätzende Anforderung für Lehrende dar.

2.3 Zur Bedeutung von Mobiltelefonen


Jeder Student besitzt ein Mobiltelefon, viele auch soHandy-3px.jpg genannte Smartphones, die unter anderem Navigation und Internetsurfen ermöglichen. Das Telefon ist Teil des Alltags. In jeder Situation ist es präsent. Für das situative Lernen sind sie daher ein optimales Werkzeug. Nun haben die Telefone zum Teil sehr unterschiedliche Ausstattung, manchen haben W-LAN, manche sind mobile mp3-Player, Anwendungen können individuell aus dem Netz geladen werden. Eine Tatsache die die Mehrzahl aller Handys gemeinsam haben, ist die eingebaute Foto- / Videokamera, die für unser Konzept besonders von Interesse ist. Vom Telefon lassen sich die Daten in der Regel einfach auf einen Computer übertragen, konvertieren und auf dem Blog einstellen. Dadurch lässt sich das Problem umgehen, dass das direkte Hochladen per Handy heute noch sehr kostenintensiv wäre.

2.4 Studien zum Einsatz von Mobiltelefonen in der Lehre


Für Stoller-Schai (2010) ist mobiles Lernen die Lernform des „Homo Mobilis“. Mobile Endgeräte werden immer leistungsfähiger und vernetzter. Damit wird mobiles Lernen zu einer interessanten und konkret einsetzbaren Lernform. Er spricht von der sogenannten iPhone-Ära, die völlig neue und unbekannte Möglichkeiten bietet. Mobiles Lernen lässt sich nicht mehr nur auf das Erstellen und Verteilen mobiler Inhalte beschränken. Vielmehr ist mobiles Lernen für ihn ein Bestandteil der mobilen Konzeption heutiger Gesellschaften. Die Menschen sind heute mehr und mehr „always on“, das Internet ist jederzeit, überall und immer billiger verfügbar.

Mobiles Lernen ist eine selbstgesteuerte Lernform außerhalb von Klassenzimmern oder anderen Lernräumen und ohne Begrenzung durch ein fest installiertes Interface (wie z. B. ein Desktop PC). Mobiles Lernen ist die Schnittmenge aus Lernen, Arbeiten, sich Informieren, miteinander Kommunizieren und Netzwerken und fördert dadurch die Konvergenz dieser Bereiche. Mobiles Lernen ist hochgradig selbstbestimmt und zeichnet sich durch eine Eigendynamik aus, die sich durch institutionelle und formelle Lernprozesse nicht einengen lässt. Mit mobilen Endgeräten werden die Fähigkeiten des »Homo Mobilis« erweitert und verstärkt; der Zugang zu Wissen wird demokratisiert und orts- wie zeitunabhängig möglich.

Nach Reinacher (2009) kann der Einsatz der Handykamera vielfältig und produktiv sein, auch wenn das Mobiltelefon im pädagogischen Kontext oft noch als problematisch empfunden wird. Anstatt auf Verbote zu setzten, bringt es mehr, den Jugendlichen und Studierende Alternativen zu einem reinen Spaßgebrauch des Handys aufzuzeigen und so die Medienkompetenz zu stärken. Ein souveräner Umgang mit der Handykamera regt zum Nachdenken an und relativiert das Handy als reines Status- und Machtinstrument.

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Von: Günther Anfang / Kathrin Demmler / Jürgen Ertelt / Ulrike Schmidt. 2006
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3. Entwicklung des Konzepts für das Multimedia-Blogseminar


Für die Entwicklung des Konzepts greifen wir auf verschiedene Lerntheorien zurück. Die zentrale Thematik, sowohl bei Blogs, als auch bei den per Handy gedrehten Videos ist die Dokumentation von Erfahrungen. Wenn authentische Lernerfahrungen dokumentiert werden, kommt einem zu allererst Dewey’s Theorie des „Learning by Doings“ (1938), also des praktischen Einübens von Wissensinhalten in den Sinn. Wir möchten jedoch ein eher weiter gefasstes Konzept als Hintergrund unserer Überlegungen anführen. Das situierte Lernen nach Lave & Wenger (1991) umfasst neben der Praxis auch soziale Aspekte wie Abläufe und Normen innerhalb einer Seminargruppe. Nach einer Vorstellung des situierten Lernens soll besonders auf das Konzept der „Communities of Practice“ (Wenger, 2002) eingegangen werden, welches einige hilfreiche Hinweise zur Ausgestaltung von authentischen Lernumgebungen bietet.

3.1 Das situierte Lernen


Die Theorie des Situierten Lernens (auch situierte Kognition) beleuchtet die soziale Verankerung individuellen Lernens. Jean Lave und Etienne Wenger (siehe u.a. 1991) waren federführend in der Weiterentwicklung der Idee.
Zu den Leitgedanken der Theorie gehören die Bedeutungsaushandlung und der situierte Kontext die Identitätsentwicklung als eines der Hauptziele des Lernprozesses für den lernenden Menschen. Ein weiterer zentraler Gedanke des theoretischen Modells des Situierten Lernens ist, dass sich der soziale Kontext, der individuelles Lernen ermöglicht, mit dem lernenden Menschen weiterentwickelt. Dieser ist bei der gemeinsamen Erstellung von Multimediabeiträgen von großer Bedeutung.
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3.2 Communities of Practice


Die Communities of Practice sind ein Konzept innerhalb der Theorie des Situierten Lernens.
Der englische Begriff Community of Practice (CoP), bezeichnet eine praxisbezogene Gemeinschaft von Personen, die informell miteinander verbunden sind und ähnlichen Aufgaben gegenüber stehen.
Er hilft zu erklären, wie Individuen in sozialen Gemeinschaften lernen und wie sich diese dabei verändern. Eine Community of Practice ist nicht festgelegt auf eine positive oder negative Auswirkung ihres Agierens. Vereint im Interesse an Lösungen oder auch gegeneinander, agieren CoP weitgehend selbstorganisiert miteinander, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig oder blockieren sich. Ein mögliches Ziel einer Community of Practice ist die lernende Weiterentwicklung von Individuen und auch der gesamten Community. Ein Wissens- und Erfahrungsbestand, der eine effizientere Aufgabenbearbeitung ermöglicht, kann potentiell entstehen. Der Begriff ist vor allem deskriptiver Art - zumeist werden existierende Gemeinschaften, in denen die genannten Merkmale vorherrschen, als CoP klassifiziert. Auch die Seminargemeinschaften, die sich mit der Erstellung von Handyfilmen beschäftigen können als CoP verstanden werden.
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3.3 Kollaboratives Lernen


Beim kollaborativen Lernen nach Konrad & Traub (2005) erwerben die beteiligten Personen gemeinsam und in wechselseitigem Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten. Im Idealfall sind alle Gruppenmitglieder gleichberechtigt am Lerngeschehen beteiligt und tragen gemeinsame Verantwortung.

Dabei sind vier Punkte wichtig: Lernen ist erstens ein aktiver, konstruktiver Prozess ist, in dem Lernende neue Informationen mit vorhandenem Wissen verknüpfen, wobei die Gruppenmitglieder jeweils unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven in die Gruppe einbringen. Zweitens ereignet sich Lernen in Kontexten, die den Einzelnen zur Kooperation anregen. Drittens ist es ein soziales und kommunikatives Geschehen, bei dem gegenseitiger Austausch und Diskussion eine erhebliche Rolle für das Verstehen des Lerngegenstandes, also in unserem Fall der kunstgeschichtlichen Zusammenhänge, spielen. Viertens sollte das Affektive, also auch das subjektive Erleben mit einbezogen werden.
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3.4 Anwendung der Theorien auf die Ausgestaltung eines Seminarkonzepts


Damit die Zusammenarbeit in den Seminargruppen gut funktioniert, orientieren wir uns bei der Ausgestaltung des Multimediablog-Seminarkonzepts an den Grundlagen zur Pflege einer Community of Practice nach Wenger, McDermott & Snyder (2002).

Die Gruppen müssen demnach so gestaltet sein, dass eine stetige Veränderung möglich ist: Das heisst Anpassung an neue Mitglieder, Einführung neuer Mitglieder, Veränderung von Ressourcenlagen, Veränderung von Diskurstraditionen, Veränderung von Problemlagen von Mitgliedern und Veränderungen in der Struktur der CoP müssen jederzeit möglich sein. Auf unser Konzept bezogen bedeutet das zum Beispiel, dass Veränderungen in den Diskursformen und Problemstellungen mit berücksichtigt werden. So gibt es zum einen kurzfristige Besprechungen zwischen den produzierenden Kleingruppen sowie eine Ausweitung des Diskurses auf den Blog im Internet, wo sich alle Teilnehmer des Seminars beteiligen. Ihr Feedback hilft bei der Erstellung von nachfolgenden Inhalten.

Dies deckt sich auch mit einer weiteren Forderung von Wenger et al. (2002), dass ein Dialog bzw. eine Aushandlung zwischen Mitgliedern innerhalb und außerhalb der Seminargruppe stattfinden muss. Der Austausch mit der Umgebung und die aktive Aushandlung von Bedeutung im Umfeld der Gemeinschaft bilden den Hauptantriebsgrund, warum Menschen sich zusammenschließen. Als Community im engeren Sinne verstehen wir die Projektgruppe von 3-5 Personen, die sich im Feld mit den Seminarinhalten beschäftigt. Im weiteren Sinne ist auch das gesamte Seminar (ca.15-30 Personen) als Community zu verstehen.

Zudem ist es optimal, wenn Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen am Seminar teilnehmen und sich zu Gruppen zusammenschließen. Dies trägt zur Pluralität der Blickwinkel auf ein spezifisches Problem bei. So ist es optimal, wenn einige Personen Vorerfahrungen mit den Inhalten des Seminars haben, wie z.B. Kunstgeschichte, und andere Personen sich mit den technischen Dingen, wie dem Filmen von Videoclips oder der Pflege eines Blogs auskennen.

Auch wenn die CoP oftmals selbst in einer Organisation - wie in unserem Fall der Universität - angesiedelt ist, gibt es auch hier Bereiche, in denen sich Gruppenmitglieder treffen, um Themen abseits der eigentlichen Agenda zu diskutieren. Hier sollten auch persönliche Problemlagen und Differenzen angesprochen werden können, ohne vor das 'Plenum' der Projektgemeinschaft zu treten. Spannungen bleiben u.U. bestehen, wenn solche Probleme nicht abseits der 'offiziellen Bühne' diskutiert werden können. Oftmals bilden solche Nebenschauplätze auch die Geburtsstätte für nachfolgende Themen einer CoP, die diese dann aufrechterhält, wenn auch in vielleicht geänderter Konstellation. Die Trennung zwischen öffentlichem und privaten findet in unserem Konzept weniger dadurch statt, dass technische Möglichkeiten zum Verfassen von privaten Blogbeiträgen gegeben werden. Dies hat den Grund, dass der Blog von uns explizit im Gegensatz zu einem E-Portfolio als ein Medium zur Veröffentlichung von Inhalten verstanden wird. Die Trennung geschieht dadurch, dass vor einer Veröffentlichung Treffen im kleinen Rahmen des Projektteams vorgesehen sind und die Inhalte erst danach im Internet vom gesamten Plenum diskutiert werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sicherstellung von Qualität. Dies ist auch für Projektgemeinschaften wichtig. Es betrifft sowohl die Pflege der CoPs auf einem Meta-Niveau als auch die Beiträge zur situierten Bedeutungsaushandlung. In unserem Seminar sollen regelmäßig Kurzprotokolle aus den Gemeinschaften eingereicht werden, sodass der Dozent auch über die internen Gruppenprozesse und Arbeiten informiert ist. Andererseits dienen die Protokolle auch der Gruppe selbst, da dadurch der Stand der Zusammenarbeit reflektiert wird.

Als weiteres bestimmendes Element einer funktionierenden Praxisgemeinschaft sollten gewohnheitsmäßige Praktiken mit genügend Freiräumen kombiniert werden. Communities leben von tragenden Strukturen aus mehr routinisierten Praktiken und frischem Wind. Im Multimedia-Blogseminar kommen einerseits routinemäßige Projekttreffen und andererseits das gemeinsame, selbstorganisierte Erkunden von neuen Kontexten zusammen und sollen so für die nötige Abwechslung sorgen.

Auch der Puls verschiedener Aktivitäten trägt zum Fortbestand und zu einem guten 'Arbeitsklima' innerhalb der Praxisgemeinschaft bei. Regelmäßige Fristen werden durch das Seminar vorgegeben und sollen so für eine möglichst gute Verteilung der Arbeiten im Zeitverlauf sorgen.

4. Durchführung des Multimediablog-Seminars


Die Theorie zu den Communities of Practice nennt fünf Phasen, wie sich Projektgemeinschaften etablieren lassen (Wenger et al., 2002). Bevor wir eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung für ein konkretes Szenario liefern soll kurz dargelegt werden, welche Bedeutung diese theoretischen Phasen bezogen auf unser Konzept haben.

1. Die Potenzialphase: Die erste Phase ist durch eine oder mehrere Personen gekennzeichnet, die sich einer bestimmten Thematik annehmen. Je mehr sich Dozent und Studierende für die Thematik begeistern können, desto höher ist das Potenzial. Es bietet sich also besonders an ein Multimedia-Blogseminar durchzuführen, wenn die Thematik sehr konkret ist und sich an der Lebenswelt der Studierenden orientiert.

2. Die Vereinigungsphase: Die zweite Phase ist geprägt durch die Bildung einer Grundstruktur, in der Ziele, Aufgaben und Kommunikationswege umrissen werden. So sollten in der ersten Seminarsitzung zum Multimediablog-Seminar die genauen Ziele und Aufgaben abgesteckt werden. Darüber hinaus sollte der Dozent darauf eingehen, welche Dinge auf dem Blog eingestellt und diskutiert werden sollen bzw. wann das Face-to-Face-Treffen die geeignetere Variante darstellt.

3. Die Reifungsphase: In der dritten Phase beginnt die eigentliche Arbeit der Gemeinschaft, nämlich in unserem Fall das Erstellen der Videobeiträge sowie der Austausch auf dem Blog und im Seminar. Immer wieder sollten in Zuge dessen Ziele, Aufgaben und Kommunikationswege neu bewertet und angepasst werden.

4. Die Verantwortungsphase: Sind die Videobeiträge produziert, so geht es in die vierte Phase. Jetzt ist für die Mehrzahl der Mitglieder ein akzeptabler Stand erreicht und kein Bedarf für weitere Aktivitäten wird gesehen. Nun sollten die Gruppenmitglieder die Verantwortung für ihre Beiträge übernehmen und diese in der Seminardiskussion bzw. auch der öffentlichen Diskussion im Netz vertreten.

5. Die Umwandlungsphase: In der fünften und letzten Phase, die in der Regel am Semesterende zu verorten ist, verliert die Projektgemeinschaft zunehmend an Bedeutung. Das kann daran liegen, dass die Thematik nach Ende des Seminars nicht mehr wichtig erscheint oder auch daran, dass die entstandenen Produkte und Wissensbeiträge sich mittlerweile ohne weiteres Zutun verbreiten.

Die beschriebenen Phasen können, aber müssen so nicht durchlaufen werden. Der Phasenablauf wurde von Wenger, Snyder und McDermott aus verschiedenen Fällen generalisiert, um so ein 'Gerüst' für den jeweiligen Unterstützungsbedarf für das Florieren der Praxisgemeinschaft grundzulegen.



4.1 Schritt-für-Schritt Anleitung und Beispielszenario


Lesen Sie hier Informationen zur Durchführung des Seminars,beschrieben in 10 einfachen Schritten. Zur Veranschaulichung wird immer wieder ein beispielhaftes Seminar mit dem Thema "Kunst an der Universität Augsburg" herangezogen. Es handelt sich dabei um ein Präsenzseminar mit virtuellen Phasen bzw. um "Blended Learning".

1. SCHRITT: WAHL DES SEMINARTHEMAS

Als Thema des Multimediablog-Seminars bietet sich prinzipiell jedes Thema an, zu dem Experten oder Zeitzeugen befragt / interviewt werden können. Besonders geeignet sind jedoch die Themen, bei denen es erfahrbare Ereignisse und Orte gibt, welche die Studierenden aufsuchen können.

Wie kann das Thema konkret aussehen?
external image univeristaet-augsburg.jpgEin Beispiel für ein Thema wäre: Seminar zur Kunst an der Universität Augsburg. Mögliche Fragen dabei sind: "Welche Kunstwerke gibt es?" "Wie sind sie entstanden?" Man kann zudem Künstler und Kunsthistoriker befragen.
Die Studenten machen sich dafür in Teams auf, um den Hintergründen zu verschiedenen Kunstwerken auf dem Campus nachzugehen.

2. SCHRITT: ANLEGEN EINES SEMINARBLOGS

Im Vorfeld des Seminars sollte ein Blog angelegt werden, der die Ergebnisse aller Seminargruppen sammelt und einen Ort zur gemeinsamen Diskussion der Inhalte darstellt. Nach der Registrierung legt der Dozent hier einen ersten Beitrag an, der den Rahmen der Veranstaltung beschreibt. Optimalerweise gibt er zudem einen Beispielfilm an, der verdeutlicht, wie die Filme der Studierenden in etwa aussehen könnten.

Wie sieht das Anlegen konkret aus?
external image wordpress-front.gifBeispielhaft ist hier der Dienst "Wordpress" zu nennen, der unter einer Reihe von Anbietern hervorsticht. Gründe dafür sind, dass der Dienst in der Basisversion kostenlos ist, eine weite Verbreitung aufweist und sich durch eine relativ leichte Bedienbarkeit auszeichnet. Zudem lassen sich YouTube-Videos einfach einbinden.
Zuerst muss sich der Lehrende auf der Startseite vom Wordpress (http://de.wordpress.com) registrieren.

3. SCHRITT: DIE ERSTE SEMINARSITZUNG - RAHMENBEDINGUNGEN

In der ersten Sitzung treffen sich alle Teilnehmer am Multimediablog-Seminar an der Universität. Die optimale Seminarstärke liegt bei 15-25 Personen. Die geringe Teilnehmerzahl stellt sicher, dass die Projektgruppen mit 3-5 Personen nicht zu groß werden. Im Verlauf der Sitzung werden organisatorische, technische und inhaltliche Rahmenbedingungen geklärt. Auch Grundtechniken des Filmemachens sollten angesprochen werden.

Wie sieht die Sitzung konkret aus?
external image seminar-012.jpgDie Teilnehmer am Seminar "Kunst an der Universität" treffen sich in der ersten Semesterwoche. Neben üblichen Formalia werden die Themen verteilt und Gruppen zugeordnet. Außerdem werden Fragen geklärt wie "Wer hat inhaltliche / technische Vorkenntnisse?" oder "Wer besitzt ein Handy mit Videofunktion?" Pro Gruppe sollte mind. ein Multimediahandy zur Verfügung stehen.

4. SCHRITT: DIE ERSTEN WOCHEN UND DAS DREHEN DER VIDEOS

Die zwei Wochen nach der Sitzung werden von den Teilnehmern für Recherche sowie die ersten Videoaufnahmen genutzt. Die Aufnahmen müssen dabei noch nicht perfekt sein. Hauptziel ist es, dass sich die Studenten in die Praxis des Drehs und die gemeinsame Arbeit einfinden. Es sollte ein Projektplan und ein erstes Konzeptpapier per E-Mail abgegeben werden. Die Besprechung der ersten Videos erfolgt in der nächsten Sitzung.

Option für Internet-Begeisterte: Lassen Sie die Videos jetzt schon auf den Blog einstellen und geben Sie schriftliches Feedback dazu ab. Alternativ bietet sich eine Skype-Konferenz an. Sie können diesen Schritt auch auslassen, wenn sie Hemmungen zum öffentlichen Besprechen der ersten Filmversuche feststellen.

Wie sieht das Filmen konkret aus?
external image RTEmagicC_Handy_Kamera_Schnappschuss_747624_60255559.jpg.jpgDie Teilnehmer suchen sich ein Kunstwerk oder auch eine Kunstrichtung (Architektur / Gemälde / Installationen / Skulpturen / Studentische Kunstwerke) und machen sich in Gruppe von 3-5 Personen auf zu einem Test-Dreh. Wie der Videodreh bei den verschiedenen Handymodellen genau funktioniert lesen Sie in der jeweiligen Bedienungsanleitung. Auch die Übertragung des Videos auf den PC per USB-Kabel wird dort beschrieben.

Alle Bedienungsanleitungen gibt es auf www.4phones.de zum kostenlosen Download.

5. SCHRITT: DIE ZWEITE SITZUNG - EINE EINFÜHRUNG IN DAS BLOGGEN

Die zweite Sitzung dient zu allererst dem Besprechen der ersten Videoversuche. Die Gruppen geben sich jeweils gegenseitig Feedback und der Dozent sollte Tipps geben und sein (inhaltliches oder technisches) "Expertenwissen" einbringen. Danach wird der Seminarblog besprochen und es wird erläutert wie man Videos in einem Blog veröffentlicht. Der Blog kann als optionales, zusätzliches Diskussionsforum der Beiträge genutzt werden.

Option für Internet-Begeisterte: Binden Sie das Internet fest in ihr Lehr-Konzept mit ein. Dadurch kann die Diskussion an Dynamik gewinnen. Zudem bekommen die entstanden Produkte die Chance, auch außerhalb des Seminarkontexts wahrgenommen zu werden. Das Seminar kann so einen echten Mehrwert für dritte bieten. Beachten Sie hierbei, dass es unter Umständen Sinn macht, Fristen für das Einstellen der Beiträge und die darauffolgenden Feedbacks zu setzen.

Wie sieht die Sitzung konkret aus?
external image blog-icon.pngZeigen Sie anhand eines zuvor eingestellten Beispielvideos auf, wie ein Blogeintrag aussehen sollte und wie man darauf über die Kommentarfunktion Feedback geben kann. Auch das Einstellen der finalen Videos auf YouTube sowie das Einbinden in den Blog (siehe Schritte 6-7) sollten in dieser Sitzung erklärt werden.

6. SCHRITT: DAS HOCHLADEN DER VIDEOS AUF YOUTUBE

In den nächsten Wochen werden die Seminarteilnehmer die Videos produzieren, welche später als Output des Seminars veröffentlicht werden können. Gelegentliche virtuelle Feedbackrunden bieten sich an. Wenn ein Video schließlich reif für die Präsentation vor einem breiterem Publikum ist, muss es auf Youtube hochgeladen werden.

Anmerkung: Auf Videoschnitt soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Eine geeignete Software hierfür wäre der Windows Moviemaker, den die meisten Studierenden installiert haben. Auf der Internetseite der Zeitschrift CHIP finden Sie ein hilfreiches Tutorial

Wie sieht das Hochladen konkret aus?
external image youtube.jpgNach dem erfolgreichen Durchlaufen des Registrierungsprozess bei Youtube wählen Sie das Video zum Hochladen aus dem entsprechenden Ordner auf dem eigenen Computer aus und laden es bei Youtube hoch. Es werden alle gängigen Formate für Handyvideos unterstützt, sodass kein konvertieren nötig ist. Es bietet sich an mit so genannten Tags zu arbeiten, in unserem Fall Schlagwörter wie "Universität", "Kunst", "Skulptur" "Geschichte" "Entstehung" etc. Dasdurch wird das Video nach der Veröffentlichung leichter gefunden.

7. SCHRITT: DAS EINBINDEN DER VIDEOS IN DEN SEMINARBLOG

Nach dem Hochladen der Videos bei Youtube kopieren Sie sich den beistehenden Einbettungs-Code. Diesen können Sie dann, wenn Sie auf dem Seminarblog angemeldet sind in den Beitrag einfügen. Wordpress unterstützt das Einbinden von Videos standardmäßig, es sollte problemlos und einfach funktionieren.

Anmerkung: Über ein neu eingestelltes Video werden Sie einfach informiert, wenn sie den RSS-Feed zum Blog abonnieren. Mit einem Reader wie z.B. dem GoogleReader geht dies einfach indem Sie folgenden Link abonnieren: http://blogname.wordpress.com/feed

Option für Internet-Begeisterte: Lassen Sie sich auch immer, wenn ein neuer Kommentar zu einem Videobeitrag erstellt wurde, per RSS-Feed aufs Handy darüber informieren. Abonnieren Sie hierzu folgenden Link: http://blogname.wordpress.com/Jahr(JJJJ)/Monat(MM)/Tag(TT)/beitragname/feed/

Wie sieht das Einbinden konkret aus?
external image youtube-anpassen.jpgLinks sehen Sie alle Möglichkeiten, die Youtube Ihnen bietet, wenn Sie ein Video in den Seminarblog einbinden wollen. Die oberste Zeile stellt den Einbettungs-Code dar, der kopiert und in den Blogbeitrag eingefügt werden muss.

Darunter gibt es weitere Optionen z.B. zum Ändern der Farbe und Größe des dargestellten Videoclips.

8. SCHRITT: ABSCHLUSSSITZUNG UND ENDPRODUKT

In der letzten Sitzung präsentieren die Projektgruppen die entstandenen Videobeiträge (ca. 2-4, je nach Länge und erwartbarer Qualität). Der Blog wird nun so aufbereitet, dass die Inhalte für Dritte gut lesbar sind. Alle Beiträge, die den Prozess der Erstellung beschreiben, werden zu einem abschließenden Projektbericht zusammengefasst. Hier sollten die Studierenden noch ein Fazit hinzufügen, dass eine Reflexion zum gesamten Projektverlauf beinhaltet. Fragen hierbei sind z.B. "Was wurde gelernt?" oder "Wie wurde mit Problemen umgegangen?". Auf dem Blog bleiben die beschreibenden Beiträge zurück und alles was über eine bloße Dokumentation des Entstehungsprozess hinausgeht.

Option für Technik-Begeisterte: Sammeln Sie am Ende des Semesters alle Beiträge mit Ihren Studierenden in einem digitalen Abschlussdokument im PDF-Format. Hier können alle Beiträge wie in einer Art Portfolio gesammelt werden. Ein Einbinden von Videos ist zwar nicht ganz einfach, jedoch prinzipiell ohne Probleme möglich.

Wie sieht das digitale Abschlussdokument konkret aus?
external image createpdfcreation_1.pngMit den Programmen Adobe InDesign und Acrobat lassen sich einfach PDF-Dokumente erstellen, die Videodateien enthalten. Die Videos sollten hierfür in den Formaten .mov oder .avi vorliegen. Beide Programme finden Sie in einer 30-Tage-Testversion auf der Homepage von Adobe. Details zur Einbindung von PDFs in Videos finden sich in diesem Tutorial: Link

9. SCHRITT: FRAGEN DER BENOTUNG

Entweder Sie beschränken sich bei der Benotung auf die entstandenen Produkte (Videobeiträge) und deren Machart oder Sie beziehen die Prozessdokumentation mit ein. Diese ließe sich zum einen wie in Schritt 8 beschrieben über einen reflektierenden, zusammenfassenden Projektbericht erfassen. Dies hat den Vorteil, dass auch Beiträge, die weniger gelungen sind, jedoch trotzdem einen hohen Lernzuwachs bei den Studierenden erreichten, trotzdem zu einer fairen Note führen. Zum anderen besteht prinzipiell auch die Möglichkeit, die Blogeinträge und Kommentare, die im Verlauf entstehen, zu bewerten.

Wie sieht Bewertung von Blogs konkret aus?
external image blogs-uebersicht.jpgMarcel Kirchner von der TU Ilmenau arbeitet seit einigen Jahren mit einem Bewertungsschema für Blogbeiträge, das auch für das Multimediablog-Seminar interessant ist. Hierbei berücksichtigt er Kriterien bezüglich des Inhalts, der Vernetzung sowie der Art der multimedialen Aufbereitung. Die detaillierten Kriterien für die Blogbewertung finden Sie hier auf E-Learning2null.de.

10. SCHRITT: ZURÜCKLEHNEN UND DIE VIDEOS GENIESSEN :-)

Es ist vollbracht. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die Früchte Ihrer Arbeit. Wir freuen uns, dass Sie das Multimedia-Blogseminar durchgeführt haben. Ihr Feedback können Sie jederzeit gerne an benil[at]web.de und philip.meyer[at]its.uni-augsburg.de schicken.


4.2 Mögliche Probleme bei der Umsetzung des Multimediablog-Seminars


Es gibt eine Reihe von Problemen die bei der Seminar-Durchführung auftreten können. Für alle Eventualitäten können wir Sie an dieser Stelle nicht wappnen, allerdings sind aus Erfahrung verschiedene Punkte besonders diskussionswürdig. Dies sind vor allem technische Fragen, Privatsphäre-Angelegenheit und motivationale Problem bzgl. der Blognutzung.

Mögliches Problem 1: Die Technik läuft nicht so wie sie sollte
Da unser Konzept auf ein gewisses Maß an technischer Ausstattung angewiesen ist, kann es an vielen Stellen Komplikationen geben: Angefangen beim Handy und der Videoaufnahme, bis hin zum Hochladen auf Youtube und dem Anlegen eines Blogaccounts etc. Als erstes können Sie dem Vorbeugen, indem Sie alle tutorials, die Sie hier auf diesen Seiten finden auch an die Studierenden weitergeben. Wenn es tatsächlich unlösbare Probleme gibt, empfiehlt es sich das Seminar mit der nötigsten Art Technik durchzuführen. Essentiell ist dabei nur irgendeine Art von Kamera, die Sie eventuell an den entsprechenden Einrichtungen Ihrer Hochschule leihen können. Der Blog muss nicht zwingend eingesetzt werden. Die Diskussion können bei Problemen auch in den Seminarsitzungen stattfinden. Zudem bietet es sich an, zu Beginn mit den Studierenden abzuklären, welche Technik sie bereits nutzen können und auch wollen, damit man weiß auf welches vorhandene Wissen und welche Einstellung bezüglich der Tools man trifft.

Mögliches Problem 2: Die Studierenden sind nicht motiviert den Blog zu nutzen
Das "Wollen" bringt uns zu einem zweiten möglichen Problem, nämlich der Motivation zum Nutzen des Seminarblogs. Wie wir zu Beginn schon erwähnten, folgt das Schreiben eines Seminarblogs einer anderen Motivationsstruktur wie das Schreiben eines privaten, "freiwilligen" Blogs (siehe auch Meyer, 2010). Daher ist die Schaffung anderer Anreize von Nöten. Zu allererst muss der Zweck des Bloggings klar an die Studenten kommuniziert werden. Hier ist echte Überzeugungsarbeit nötig, damit nicht der Eindruck entsteht man müsse den Blog führen damit der Dozent immer kontrollieren kann, wie weit der Stand der Arbeit ist. Blogs sind, wie Häcker (2005) dies schon für E-Portfolios formulierte ein Instrument zur Leistungsdarstellung seitens der Studierenden und eben nicht zur Leistungsfeststellung oder gar zur Kontrolle. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, einen Rahmen, d.h. bestimmte Fristen für das Einstellen der Videos zu setzen. Zu genaue Vorgaben zur Anzahl und Länge von Beiträgen und Kommentaren sind jedoch kontraproduktiv. Auch wenn Sie Leistungspunkte für das Bloggen zur Motivationssteigerung einsetzen wollen, sollten Sie darauf achten dass sie die Qualität erfassen und sich nicht beim Zählen einzelner Kommentare wiederfinden (siehe auch Punkt 9 der Schritt-für-Schritt Anleitung). Zu guter letzt möchten wir anmerken, dass unser Konzept in einer sehr abgespeckten Version auch ohne den Austausch und die Präsentation im Internet funktioniert. Der Aspekt der Situiertheit wäre weite gegeben, wenn auch die gruppenübergreifende Kollaboration auf das Klassenzimmer begrenzt wäre.

Mögliches Problem 3: Es gibt Bedenken hinsichtlich des öffentlichem Erstellens von Inhalten
Die eben angesprochene "Präsentation im Netz" gefällt u.U. nicht allen Studierenden. Sie sollten ihre Seminarteilnehmer im Vorfeld darauf hinweisen, dass es Ziel des Seminars ist Videos zu produzieren, die für die Veröffentlichung im Internet bestimmt sind. Denn nur wenn es diese öffentliche Präsentation gibt erreichen Sie das erstrebenswerte Ziel mit den Videobeiträgen eine Wissenssammlung für die Seminarthematik im Netz zu erstellen. Denjenigen Studierenden, die nicht im Netz erscheinen wollen, sollte ermöglicht werden auf dem Blog unter einem Pseudonym aufzutreten. Es darf zudem keine Verpflichtung geben, dass die Studierenden in den von ihnen gedrehten Videos als Protagonisten auftreten müssen (z.B. als Interviewer). Diese Rollen sollten Teilnehmer übernehmen, die es als unproblematisch empfinden in einem YouTube-Video vertreten zu sein.
Alternativ können Sie statt einem Blog auch ein E-Portfolio-System nutzen. Unter einem E-Portfolio versteht man eine Art digitale Mappe, wobei der Begriff zum Teil sehr unterschiedlich definiert ist. Es enthält verschiedene Arbeiten, wobei der Inhaber des Portfolios dabei selbst auswählen kann, welche er für gelungen hält und öffentlich schalten möchte (Meyer, 2009). Über eine differenziertes Rechte-Management kann z.B. zwischen fertigen Multimediabeiträgen (dann öffentlich sichtbar) und privaten Reflexionen und Prozessdokumentation (nur für Dozenten oder gar niemand sichtbar) unterschieden werden. Gerade bezgl. der produktbezogenen Reflexion empfehlen wir, diese auf dem Blog einstellen zu lassen. Privatere Beiträge, die auch negative oder heikle Aspekte bezgl. der Zusammenarbeit in der Seminargruppe thematisieren sind in unserem Konzept nicht fest vorgesehen, könnten jedoch in einer Art Tagebuch mit Feldnotizen von jedem einzeln festgehalten werden.


5. Fazit und Ausblick


Dieser Beitrag zeigte, wie Sie als Dozent ein Seminar durchführen können, das die Potenziale von Mobiltelefonen und Blogs für situiertes und kollaboratives Lernen in Praxisgemeinschaften nutzt. Ähnlliche Szenarien finden sich kaum. Meist wird das Feld "Mobile Learning" vor dem Hintergrund spezieller Handyanwendungen diskutiert, die sich die Studierenden installieren, um so ortunabhängig lernen zu können. Auch hier finden sich einige Szenarien, die besonders auf situiertes Lernen zurückgreifen. So auch das Projekt "Moles (Mobile Learning Exploration System)", Gewinner des Sonderpreises "Wege ins Netz" 2009. Auch hier geschieht "Wissenskonstruktion im Kontext physischer Ereignisse", das heißt Eindrücke aus der unmittelbaren eigenen Umgebung werden mit dem Handy aufgenommen. Zusätzlich lassen sich bei Moles Arbeitsbögen auf das Telefon übertragen, die die Teilnehmenden dann auf ihrem Smartphone für die Exkursion nutzen. Zudem werden aufgabenspezifische Fragen gestellt, die die Lernenden vor Ort lösen müssen. Michel (2009) testete das System und stellte dabei fest, dass es bei der Übertragung der Inhalte zwischen der Moles-Anwendung und dem PC immer wieder Probleme gab. Er führt an, dass auch bei vielen Lehrenden nicht die Zeit da sei, um sich genau in die (wenn auch guten) Anwendungen einzudenken. Nebenbei sei es schwierig, die Software auf den Handys aller Studierenden zum Laufen zu bekommen.

Hier liegt der große Vorteil des Konzepts beim Multimedia-Blogseminar: Dadurch, dass auf die standardmäßig eingebaute Kamera der Mobiltelefone zurückgegriffen wird, gibt es keine Installationsprobleme und auch die Übertragung funktioniert meist problemlos. Zum einen, da bei Fragen einfach in der Bedienungsanleitung nachgeschlagen werden kann. Zum anderen aber auch, da sich die Studierenden oft bereits mit ihren Geräten auskennen. Schließlich gehören die Handys zu ihrer Lebenswelt. Und genau diesen Lebensweltbezug sucht das situierte Lernkonzept des Multimedia-Blogseminars.


Literatur