Teilnehmer/innenfragen und Themen


Julia_H.: Eignet sich Twitter in Form von Microblogging als Wissensmanagementtool (Linksammlungen, Diskussions-/Reflexionstool) für kollaboratives Lernen in der Hochschule? (Experimentelles Lehr-/Lernkonzept)

Twitter bietet als häufig genutzte Plattform im Web 2.0 vielfältige Möglichkeiten des Microblogging. Es vereint dabei Elemente von Social Communities (befreundet sein bzw. jemandem Folgen/ein Abonnement eines Users haben) sowie Blogs (schreiben kurzer Nachrichten). Die Reduzierung auf 140 Zeichen pro Nachricht (Tweed) führt dazu, dass gesendete Inhalte auf das Wesentliche reduziert werden müssen. Die Möglichkeit Twitternachrichten von überall, ob Laptop oder Handy, verschicken oder empfangen zu können, macht es dabei zu einem sehr mobilen, dynamischen und synchronen Medium, das bestimmte Nutzergruppen einen gemeinsamen Informations- und Aufmerksamkeitsbereich teilen lässt.
Die mittlerweile vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation – vor allem informellen Kommunikation – und Interaktion, die Twitter bietet, könnten in der Lehre neue Wege aufzeigen Information und Wissen zu teilen und somit kollaboratives Lernen zu ermöglichen. So können beispielsweise durch das Verschicken von lernrelevanten Links und deren Sammlung (mit Hilfe der Listenfunktion oder Favoritenfunktion von Twitter) dynamische Linksammlungen entstehen, die in Kursen als eine Art digitaler Reader genutzt werden könnten. Des Weiteren könnte Twitter, vor allem bei Projektseminaren, die auf ein gemeinsames erarbeitetes Konzept zielen, als Feedback- oder Diskussions-/Reflexionstool genutzt werden.
Aus den oben aufgezeigten Möglichkeiten im Bereich der Hochschullehre leitet sich somit die Frage ab, ob Twitter, als Medium des Microbloggin, sich als eine Art Wissensmanagementtool für kollaboratives Lernen eignet. Dieser Frage soll in einem eigens dafür entwickelten, experimentellen Lehr-/Lernkonzept nachgegangen werden.


Mareike: Inwiefern lässt sich Facebook für die Teilung von Wissen und kollaborativem Lernen nutzbar machen?

Der Reiz von Facebook liegt in seinem informellen internationalen Rahmen. Das 400 Mio. starke soziale Netzwerk lässt sich auf den ersten Blick mit vielem in Verbindung bringen: Selbstdarstellung, Kommunikation, Spiel, Kontaktpflege oder Kontaktaufbau etc.; doch nur bedingt mit Lernen und Lehren. Dennoch besitzt Facebook zwei Attribute, die ausgesprochen reizvoll für die Entwicklung von Lernumgebungen sind. Erstens handelt es sich um ein weltweit genutztes Netzwerk, in dem sich Menschen aus verschiedensten Lebensumfeldern meist zum Privatvergnügen aufhalten. Zweitens sind die NutzerInnen keinesfalls einer hierarchischen Ordnung unterworfen. StudentIn, ProfessorIn, WissenschaftlerIn, Arbeitsloser und SchülerIn etc. sind gleichwertige Mitglieder der Gemeinschaft. Darüber hinaus verfügt Facebook mit den Möglichkeiten des Chats, Verlinkung, Statusmeldungen sowie Gruppen, welche wiederum relativ umfangreich aufbereitet werden können, über eine Infrastruktur, die man sich für eine „Lernplattform“ nutzbar machen könnte.Interessant wäre es demzufolge zu untersuchen, inwiefern Wissen auf Facebook geteilt und kollaboratives Lernen unterstützt werden kann. Insbesondere wäre es hierbei von Interesse den Fokus auf den sozialen Charakter der Community und deren internationale Nutzung für die Gestaltung einer Lernumgebung zu legen


Katha_U:

Ich würde mir aus dem Medienzoo gerne Twitter herauspicken, für welches ich ein Konzept für eine Lernumgebung erarbeiten möchte, um das derzeit noch experimentell eingesetzte exotische Exponat möglicherweise für den Streichelzoo, das heißt für einen breiteren Einsatz, vorzubereiten. Das erste Mal ist mir Twitter positiv während der letzten GMW-Tagung aufgefallen. Nachdem ich diese nicht besuchen konnte, allerdings bei der medida-Bewerbung des imbs stark involviert war, wurde ich – damals noch als passive Leserin – live über die Preisverleihung auf dem Laufenden gehalten. Auf dem anschließenden educamp in Graz konnte ich mich schließlich vor Ort über die immense Bedeutung von Twitter in Fachkreisen überzeugen. Ich selbst nutze Twitter auch – vor allem im Rahmen von Seminaren an der Uni. Allerdings hält sich meine eigene Twitter-Präsenz doch eher in Grenzen. Obwohl ich ganz klar die Vorteile dieses Microblogging-Tools sehe (wie z.B. die schnelle Information oder Vernetzung), drängen sich mir eben auch viele Schwierigkeiten für den Einsatz in der Lehre auf. Ich selbst hatte – wie viele andere Seminarteilnehmer auch – einige Probleme mit der „erzwungen“ Verwendung von Twitter im Rahmen der Hochschulausbildung. Darunter fallen unter anderem die rasche Informationsüberflutung, beschränkte Ausdrucksmöglichkeiten, die schwierige Integration in Präsenzveranstaltungen sowie die problematische Bewertung von Tweets. Gerade weil ich diesem Tool sehr ambivalent gegenüberstehe, wäre es für mich eine spannende Herausforderung, die Potenziale von Twitter herauszuarbeiten, um eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit dessen in der Hochschullehre ausfindig zu machen. Dabei stellt sich unter anderem die Frage, für welche Zielgruppe und welchen Kontext der Einsatz von Twitter einen klaren Vorteil bringen kann. Daneben interessiere ich mich auch stark für Möglichkeiten zur Motivierung von Studierenden sowie den Grad, bis zu dem die Studierenden angeleitet werden sollten



Kerstin: Wie kann man den internationalen- und Freizeitcharakter von Facebook für das Lernen an Hochschulen nutzen?

Nicht selten werden Social Communities in verschiedenen Formen im Bereich der Hochschullehre eingesetzt. Meist werden dafür aber mehr oder weniger geschlossene Communities eigens ins Leben gerufen, denen nur die angesprochenen Lernenden und Lehrenden bzw. Wissenschaftler beitreten (dürfen). So kommuniziert und interagiert die Gruppe eher unter sich und relativ unbehelligt von anderen Gruppen und Gemeinschaften. Dies entspricht sicherlich oft dem jeweiligen (Forschungs-)Ziel und bringt einige Vorteile mit sich, angefangen bei der zielgerichteten Zusammenarbeit, dem unkomplizierten Austausch unter Experten auf dem jeweiligen Gebiet, etc.
Auf der anderen Seite kann ich mir aber vorstellen, dass man auf einer bunt gemischten, frei zugänglichen Plattform wie Facebook neue Effekte in Zusammenarbeit und Austausch erzielen kann. Die Vernetzung könnte z.B. dadurch vereinfacht werden, dass formale Rahmen, wie sie etwa wissenschaftliche Plattformen hervorrufen, als Barriere verschwinden. Zudem bietet Facebook durch seine Zugänglichkeit für alle Berufs- und Altersgruppen auf der ganzen Welt die Möglichkeit sich problemlos fach- und länderübergreifend zu vernetzen und so neue Perspektiven einzubringen. Die Interaktionstools, die Facebook bereit stellt, wie Gruppen, Statusnachrichten, Verlinkungen, Kommentare, Bilder und Videos und sogar eigens zu entwickelnde Apps bieten eine technische Grundlage zur Vernetzung – eben nicht nur mit Freizeit- sondern auch mit wissenschaftlichem Hintergrund.
Natürlich könnte der starke Fokus auf Facebook als Freitzeitplattform dem Arbeitscharakter eines Hochschul-Lehr-Lern-Konzeptes auch entgegenstehen. Dies wäre in ersten Versuchen zu testen. (Experimentelles Konzept)


Jasmin: Wie lässt sich Twitter als kollaboratives Lernmedium im Hochschulunterricht einsetzen? Wie lassen sich mithilfe von Twitter-Funktionen wie dem Following sowie der Nutzung des @-Symbols, Hashtags und Short-URLs Lernende und Experten vernetzen und Wissen austauschen?

Inhaltsanalysen zu Twitter zeigen, dass die Microblogging-Plattform anders genutzt wird als von den Machern beabsichtigt. Statt auf die anfängliche Frage „What are you doing?“ zu antworten, werden innerhalb der 140 Zeichen zunehmend Dialoge und Diskussionen geführt, es wird kommuniziert und kollaboriert. Mittlerweile lautet die Leitfrage in der neuen deutschen Version deshalb auch „Was gibt`s Neues?“, eine Formulierung, die neben simplen Statusupdates auch Kommunikation mit anderen Nutzern sowie den Austausch von Wissen einschließt.

Im letzten Semester habe ich mich in einer eigenen Studie ausführlicher mit den Inhalten von Twitter beschäftigt und bin dabei auf das Potenzial der Plattform als Medium zum unkomplizierten und schnellen Wissensaustausch gestoßen. Links zu Webseiten, Blogs oder Texten können in Echtzeit auf die unterschiedlichsten Endgeräte übertragen werden; Kommunikation und Kollaboration wird so schneller und mobiler. Diese Funktionen wären auch für den Einsatz in der Hochschullehre, beispielsweise bei der Themensuche und Recherche zu Abschlussarbeiten (indem Forschern mit ähnlichen Interessenschwerpunkten gefolgt wird) oder begleitend für die Recherche und kurze Abstimmung in Seminaren interessant. In vielen Studien wird jedoch auch auf die Hindernisse eingegangen, die Twitter bisher einer anfänglich nicht geplanten Kollaboration der Nutzer in den Weg stellt. Diese Hindernisse gilt es im Konzept zu berücksichtigen und zu überwinden.

Ziel eines möglichen Konzepts wäre es, Lernende, die zum selben Thema forschen, untereinander und mit Experten zu vernetzen, den Austausch mithilfe von Link-Tweets zu verbessern und so eine umfassende, aktuelle Linksammlung zu erstellen, neuste Ideen und Gedanken zu einem Thema zu sammeln und zu bündeln und somit Twitter ähnlich Julia Hisserichs Vorschlag als eine Art Wissensmanagementtool zu nutzen.


Birgit_W: Wie lässt sich die Web 2.0 Anwendung „Podcast“ zur Wissensgenerierung und Wissensverbreitung in der Lehre an Universitäten einsetzen?

Immer häufiger werden Podcasts an Universitäten verwendet, um Inhalte von Vorlesungen online zu stellen. Dabei stellt sich häufig die Frage, ob Präsenztermine von den Studenten trotzdem wahrgenommen werden. Es konnte nicht bestätigt werden, dass nur die online Inhalte abgerufen werden und der Besuch bei Präsenzveranstaltungen ausbleibt. So hat sich der Podcast, als eine sehr nützliche Web 2.0-Anwendung entwickelt, die vor allem in diesem Sinne dazu dient, sich auf Klausuren gezielter vorbereiten zu können.
Ich habe letztes Semester selbst in einem Seminar einen Podcast erstellt und dabei erfahren, wie gut dabei Inhalte behalten werden können. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch sehr abstrakte Inhalte sehr anschaulich dargestellt werden können. Zudem können diese Inhalte als Wissensgenerierung für andere dienen.
So wird der Podcast einerseits aktiv eingesetzt, indem selbst Inhalte erstellt werden können und zum anderen passiv rezipiert, was ein sehr großes Potential darstellt.
Ziel der Konzeption wäre es beide Formen der Nutzung auszubauen und in experimentelleren Zusammenhängen einzusetzen, sodass im Zusammenhang mit weiteren multimedialen Anwendungen neue Anwendungsräume geschaffen werden können.



Eva_O: Wie können Lernende den Mehrwert der Microblogging-Plattform Twitter erfahren und sinnvoll für den eigenen Lernprozess nutzen?

Kaum ein Tool der Web 2.0-Welle hat die Szene derart schnell erobert wie die Microblogging-Plattform Twitter. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Organisationen und Firmen nutzen sie für Kommunikation, Marketing, PR und Kundenbindung. Twitter verbindet die Mobilität, Geschwindigkeit und Beschränkung der SMS-Welt mit der Öffentlichkeit von Blogs. Dabei vernetzt es, anders als soziale Netzwerke, spontan und unverbindlich. Die Meinungen über Sinn und Mehrwert der maximal 140 Zeichen langen Mikro-Texte gehen auseinander: Während die einen das Schnelle, Offene und Spielerische, die beiläufige Nebenbei-Kommunikation schätzen, ist Twitter für andere nur kollektives Selbstgespräch, zu flüchtig und zu eingeschränkt. Sie beklagen ein lästiges Dauerrauschen, die Informationsflut oder die Zeitverschwendung bei der Suche nach Interessantem.
Hat Twitter nun etwas mit Lernen zu tun? Inwiefern? Lässt sich Twitter sinnvoll als didaktisches Tool einsetzen? Müssen wir erst für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen, oder weist uns Twitter vielmehr auf neue Rahmenbedingungen hin? Wo bietet die Nutzung von Twitter über eine Ansammlung von Statements hinaus einen wirklichen Mehrwert und wie können Lernende diesen erfahren? Fragen, die ich mir im vergangenen Semester gestellt habe, als ich im Rahmen zweier Seminare sowie auf zwei EduCamps erste Erfahrungen mit Twitter sammeln konnte. In der Szene ist Twittern auch bei Präsenzveranstaltungen zur Selbstverständlichkeit geworden – eine Art Parallelkonversation als Ergänzung und Erweiterung des Austauschs vor Ort. Im Seminar fiel es uns dagegen nicht immer leicht, Anlässe für einen Tweet zu finden. Zu oft wurde nur der Mehr-Aufwand, nicht der Mehr-Wert ersichtlich. In einem möglichen Lernszenario gilt es daher, für Twitter einen sinnvollen und eigenen Platz zwischen Präsenzlehre und E-Learning zu finden und den Lernenden aufzuzeigen, die schnelle öffentliche Vernetzung sinnvoll für den eigenen Lernprozess zu nutzen.


Philip_M:
Wie können E-Portfolios und Blogsysteme sinnvoll in Seminare im Hochschulkontext integriert werden?

Letzten Sommer thematisierte meine Bachelorarbeit den Einsatz von E-Portfolios im Augsburger Begleitstudium Problemlösekompetenz (www.begleitstudium-problemloesekompetenz.de). Als spezielles, längerfristig angelegtes Szenario über drei Semester der Projektarbeit entspricht das "e3-Portfolio" im Begleitstudium weder einem kurzfristigen Seminar-Bewertungsportfolio noch dem breiteren Entwicklungs- und Präsentationsportfolio, das sich über das gesamte Studium erstreckt (oder sogar bis in den Beruf). Die Reflexion informeller Projektarbeit ist nur schwer mit dem normalen Seminaralltag mit dem sich Lehrende konfrontiert sehen vergleichbar. Doch auch für einsemesterige Seminare lassen sich sinnvolle Portfolioeinsätze skizzieren. Diese These möchte ich dieses Semester wagen und ein entsprechendes Lehrkonzept entwickeln. Die zentrale Frage - wie immer bei E-Portfolio-Einsatz - wird sein, wieviel tatsächlich öffentlich gemacht wird und welche Arten von Einträgen nur privat Sinn machen. Moderne Portfolio-Systeme wie Mahara bieten hier viele individuelle Einstellmöglichkeiten, um den Anforderungen des eigenen Konzepts gerecht zu werden. Ich möchte mich auf Mahara konzentrieren. Da hier bereits viele sehr gute allgemeine Tutorials vorhanden sind und Mahara speziell für den Bildungsbereich gedacht ist, ist es wohl nicht nötig, dieses Semester ein allgemeines Vorstellungsvideo oder einen Screencast zu drehen. Wichtiger ist die Konzeptausarbeitung. Das fertige Konzept werde ich dann im Anschluss audiovisuell aufbereiten, so dass auch die an sich komplexe Portfolioanwendung Mahara leicht nachvollziehbar wird, wenn es um die konkrete Anwendung in einem von mir erdachten Szenario geht.

Dani_M:
Wie kann Podcasting in der Lehre von Hochschulen mediendidaktisch sinnvoll und kreativ eingesetzt werden?
Podcasting bezeichnet grundsätzlich das Produzieren von Mediendateien, durch welche auditiv oder per Video (Vodcast) Inhalte im Internet vermittelt werden. Diese Beiträge können meist auch heruntergeladen und auf mobilen Datenträgern völlig flexibel konsumiert werden. Im Zuge des Web 2.0 bieten Tools wie das Podcasting eine neue, äußerst kreative Dimension des Internets.
Ich würde gern dieses Tool didaktisch bearbeiten, da ich aus bisherigen Veranstaltungen damit bereits erste Erfahrungen, auch im Zusammenhang des Lehren und Lernens, gesammelt habe. Das Tool bietet für mich die Eigenschaft, Information narrativ und interessant zu verpacken, kreative Elemente mit einfließen zu lassen und dadurch eine besondere Lehrmethode zu schaffen bzw. Inhalte äußerst einprägsam zu vermitteln. Insbesondere für Einführungsszenarien oder Grundlageninformationen eignet sich m.E. eine auditive Sequenz, welche zum Beispiel das eintönige Einarbeiten in Basisliteratur erleichtert. In diesem Zusammenhang würde ich gern in diesem Seminar weitere Möglichkeiten dieses Tools in der Mediendidaktik gemeinsam erarbeiten und dabei auch kreativ tätig werden.